Silvio Berlusconi umringt von Sicherheitspersonal und Presse | EPA

Italiens Ex-Ministerpräsident Berlusconi plant offenbar Comeback

Stand: 22.10.2021 17:23 Uhr

Berlusconi macht wieder von sich reden - mit einem Freispruch vom Vorwurf der Bestechung und ehrgeizigen politischen Plänen: Mit 85 Jahren liebäugelt Italiens Ex-Ministerpräsident mit dem höchsten Amt im Staat.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Monatelang machten ihm die Folgen seiner Covid-Erkrankung zu schaffen, er agierte vor allem aus dem Hintergrund. Jetzt ist Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi wieder in Rom und drängt ungeachtet seines Alters zurück in die vorderste Reihe.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Von einem "Pakt" der Mitte-Rechts-Parteien schreibt die Zeitung "Corriere della Sera". Das Ziel sei, den 85 Jahre alten Multimilliardär zum nächsten italienischen Staatspräsidenten zu machen.

Von Journalisten nach einer möglichen Kandidatur gefragt, schmunzelt Berlusconi und spricht von sich in der dritten Person: "Ich sehe Berlusconi in Form, nach ein paar Wehwehchen aufgrund von Covid. Aber im Moment macht er sich dazu keine Gedanken."

Unterstützung durch Verbündete

Die Wahrheit lautet: Seit langem ist es Berlusconis politischer Lebenstraum, seine Karriere mit dem formal höchsten Amt im Staat zu krönen. Seine politischen Verbündeten, Matteo Salvini von der Lega und Giorgia Meloni von der Partei Brüder Italiens, haben Berlusconi laut übereinstimmenden Berichten mehrerer italienischer Medien Unterstützung signalisiert.

Zusätzlichen Rückenwind verspürt der vierfache Ministerpräsident durch einen Freispruch erster Klasse vorgestern in einem Prozess in Siena, in dem er wegen Bestechung angeklagt war.

Unverändert gibt Berlusconi seinen politischen Freunden und Gegnern ungefragt Ratschläge. Unter anderem Regierungschef Mario Draghi, der vielen in Italien als aussichtsreichster Anwärter gilt für die Wahl des Staatspräsidenten Anfang nächsten Jahres.

Berlusconi allerdings sagt: "Draghi wäre sicherlich ein hervorragender Staatspräsident. Aber ich frage mich, ob eine Fortsetzung seiner Arbeit in der jetzigen Rolle unserem Land nicht mehr Vorteile bringen würde."

Draghi also soll nach Berlusconis Wunsch als Ministerpräsident weitermachen. Offen bliebe die Frage, wer im Quirinalspalast Nachfolger Sergio Mattarellas wird. Gewählt wird der Staatspräsident im Januar oder Februar von beiden Parlamentskammern in gemeinsamer Sitzung. Die Mitte-Rechts-Parteien haben dort keine Mehrheit.

Schon eine offizielle Kandidatur Berlusconis wäre ein Prestigeerfolg für den 85-Jährigen nach einer politischen Karriere voller Skandale und einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Steuerbetrugs.

Aber Berlusconi hofft offensichtlich auf mehr. Unter anderem darauf, dass es - wie häufig in der jüngeren Geschichte Italiens - im Umfeld der Staatspräsidentenwahl zu politischen Tauschgeschäften kommt. Und dass er mit seinen Ambitionen davon profitieren könnte.

Bemüht, moderat zu wirken

Auffällig bemüht ist Berlusconi in diesen Tagen seiner Rückkehr darum, sein Mitte-Rechts-Bündnis mit der Lega und den postfaschistischen Brüdern Italiens als politisch moderate Kraft darzustellen. "Die europäischen Führer können absolut beruhigt sein angesichts der Tatsache, dass das italienische Mitte-Rechts-Bündnis entfernt ist von jedem Extremismus und jeglicher Rückkehr in die Vergangenheit. Unsere gemeinsame Wertecharta ähnelt in weiten Teilen der der Europäischen Volkspartei", so Berlusconi.

Also der europäischen Gruppierung, der auch CDU und CSU angehören. Berlusconis politische Botschaft: Vor dem Mitte-Rechts-Bündnis in Italien und damit auch vor einem Staatspräsidenten Berlusconi braucht niemand Angst haben.

Im italienischen Parlament fällt die Charmeoffensive des zurückgekehrten Forza-Italia-Chefs bislang nicht auf fruchtbaren Boden. Romano Prodi, Gründungsvater der mitregierenden Demokratischen Partei, hat klargestellt: Berlusconi als Staatspräsident sei keine Option.

Abschiedsbild mit Merkel geglückt

Der Medienmogul aber lässt sich nicht entmutigen bei dem Versuch, mit 85 Jahren noch ein Comeback zu schaffen. Unbedingt wollte Berlusconi diese Woche dabei sein beim Treffen der Europäischen Volkspartei in Brüssel - um ein Abschiedsbild mit Angela Merkel zu bekommen.

Mit Erfolg: In allen wichtigen italienischen Tageszeitungen wurde das Foto groß gedruckt. Merkel schaut darauf eher sparsam, Berlusconi an ihrer Seite dagegen strahlt glücklich und zufrieden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2021 um 08:25 Uhr.