Johnsons Ex-Stabschef Dan Rosenfield | REUTERS

Britischer Premier unter Druck Johnson verliert gleich mehrere Berater

Stand: 03.02.2022 21:40 Uhr

Erst kündigte eine enge Beraterin des britischen Premiers Johnson ihren Rücktritt an, es folgten in kurzer Zeit weitere Rücktritte. Nun haben schon vier Berater ihr Aus in der Downing Street bekannt gegeben - darunter auch Stabschef Rosenfield.

Der Druck auf den britischen Premierminister Boris Johnson wächst - und das macht sich auch in Rücktritten in seinem direkten Umfeld bemerkbar. Der politisch angezählte Premier verlor binnen kürzester Zeit vier seiner engsten Mitarbeiter - zuletzt kündigte der Stabschef seinen Rücktritt an. "Dan Rosenfield hat dem Premierminister heute früher seinen Rücktritt angeboten, der angenommen wurde", sagte ein Sprecher der Downing Street. Und auch Martin Reynolds habe den Premierminister über seine Absicht informiert, von seiner Rolle als Hauptprivatsekretär zurückzutreten.

Kommunikationschef und Beraterin treten zurück

Johnsons Sprecher bestätigte außerdem Medienberichte, denen zufolge Kommunikationschef Jack Doyle sein Amt niedergelegt hat. Einen Grund nannte er nicht. Laut der Zeitung "Daily Mail" soll Doyle die Demission bereits länger geplant haben.

Einen Zusammenhang mit dem Rücktritt von Johnsons langjähriger Chef-Politikberaterin Munira Mirza gebe es nicht, so das Blatt weiter. Mirza hatte kurz zuvor ihre Kündigung eingereicht. Sie hielt Johnson vor, sich nicht für umstrittene Äußerungen über den Chef der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer, entschuldigt zu haben.

Mirza: Unfaire Anschuldigung

Der konservative Regierungschef hatte Starmer am Montag im in einer hitzigen Parlamentsdebatte vorgeworfen, in seiner Zeit als Chef der Staatsanwaltschaft nicht gegen den bekannten, inzwischen verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Savile wegen sexuellen Missbrauchs in Hunderten Fällen vorgegangen zu sein.

Politikberaterin Mirza kritisierte laut dem Magazin "The Spectator", die Anschuldigung sei unfair und entbehre jeder Grundlage. Sie hoffe, Johnson könne sich doch noch zu einer Entschuldigung durchringen. Johnson hatte erklärt, er habe Starmer nicht persönlich angehen wollen. Eine Entschuldigung lieferte er aber nicht.

Schlag für Johnson

Mirza hatte 14 Jahre lang für Johnson gearbeitet. Britische Kommentatoren werteten den Rücktritt als weiteren Schlag für Johnson, der wegen der "Partygate"-Affäre heftig unter Druck steht. Ein Untersuchungsbericht wirft den Verantwortlichen in der Downing Street Führungsversagen und Regelbrüche vor, außerdem ermittelt die Polizei. Einige Abgeordnete seiner eigenen Partei haben Johnson bereits schriftlich ihre Unterstützung entzogen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2022 um 22:00 Uhr.