Naftali Bennett  | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine Bennett erst bei Putin, dann bei Scholz

Stand: 05.03.2022 20:23 Uhr

Israels Premier Bennett hat in Moskau mit Russlands Präsident Putin über die Lage in der Ukraine beraten. Noch am Abend will Bennett mit Kanzler Scholz sprechen. Direkte Gespräche zwischen Russland und der Ukraine sind für Montag geplant.

Mitten im Ukraine-Krieg ist der israelische Regierungschef Naftali Bennett überraschend nach Moskau gereist. Bennett traf sich zu einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, wie Bennetts Büro bestätigte. "Ministerpräsident Naftali Bennett hat soeben ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml beendet. Das Treffen dauerte etwa zweieinhalb Stunden", hieß es in einer ersten Erklärung aus Jerusalem.

Zuvor hatte es aus dem Kreml geheißen, der israelische Regierungschef halte sich zu einem kurzen Arbeitsbesuch in Moskau auf. "Die Situation rund um die Ukraine wird diskutiert", zitierten russische Nachrichtenagenturen Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Das Gespräch sei bereits beendet, es werde aber keine Kreml-Mitteilung dazu geben, hieß es aus Moskau.

Bennetts Besuch in Moskau ist der erste eines ausländischen Staatsoberhaupts im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine. Er werde nun weiter nach Deutschland zu einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz reisen, erklärte sein Büro. Noch an diesem Samstagabend wollten beide über den Ukraine-Konflikt beraten, verlautete aus deutschen Regierungskreisen.

Selenskyj soll um Vermittlung gebeten haben

Aus Regierungskreisen in Jerusalem hieß es, Bennett habe sich mit den USA, Deutschland und Frankreich abgestimmt und sei "in ständiger Kommunikation mit der Ukraine". Er habe mit Putin auch über die Lage der Israelis und der jüdischen Gemeinden angesichts des Konflikts gesprochen. Im Ukraine-Konflikt ist Israel als Vermittler im Gespräch. Nach Medienberichten soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Bennett vor einer Woche gebeten haben, in Israel Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine auszurichten.

Bennett sei in den frühen Morgenstunden nach Moskau geflogen, teilte sein Büro mit. Als religiöser Jude darf Bennett nach seinen Glaubensgrundsätzen am jüdischen Ruhetag Sabbat nur dann reisen, wenn es um die Rettung von Menschenleben geht.

Nach Angaben von Bennetts Büro war bei dem Treffen mit Putin auch der israelische Wohnungsbauminister Seew Elkin zugegen, der bei der Übersetzung geholfen habe. Elkin stammt aus der ukrainischen Stadt Charkiw und gilt als Putin-Kenner. Er hatte auch stets bei den Treffen von Bennetts Amtsvorgänger Benjamin Netanyahu mit Putin teilgenommen.

Israel lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab

Bennett hatte zuvor auch mit Selenskyj telefoniert. Der ukrainische Präsident, selbst jüdischer Herkunft, hatte sich zuletzt enttäuscht über seiner Ansicht nach mangelnde Unterstützung von Seiten Israels geäußert. Nach Medienberichten hatte Bennett Bitten Selenskyjs um Waffenlieferungen abgelehnt.

Israel hat gute Beziehungen zu Russland und der Ukraine, befindet sich daher in einem Zwiespalt. Es will seinen wichtigsten Bündnispartner, die USA, nicht verärgern, ist aber gleichzeitig aus strategischen Gründen vom Wohlwollen Moskaus abhängig, unter anderem in den Konflikten mit Syrien und dem Iran.

Neue Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew bestätigt

Kiew teilte unterdessen mit, dass weitere direkte Gespräche zwischen der Ukraine und Russland am Montag stattfinden. "Die dritte Runde der Verhandlungen wird am Montag stattfinden", erklärte der Parlamentsvorsitzende der ukrainischen Regierungspartei Diener des Volkes, und Unterhändler der ukrainischen Delegation, David Arachamia, bei Facebook. Einzelheiten nannte er nicht.

Später sagte der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki im russischen Staatsfernsehen: "Die dritte Runde kann wirklich in den nächsten Tagen stattfinden. Möglich ist es am Montag, dem 7. März."

Bei der zweiten Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine und Russland im Westen von Belarus hatten sich beide Seiten auf die Schaffung humanitärer Korridore verständigt, um Zivilisten aus Kampfgebieten herausholen zu können. Die Evakuierung der ukrainischen Hafenstadt Mariupol scheiterte aber. Beide Seiten warfen sich vor, gegen die verabredete Feuerpause verstoßen zu haben. Moskau gab sodann bekannt, seine Angriffe auf die Städte Mariupol und Wolnowacha fortzusetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. März 2022 um 20:00 Uhr.