Der Hauptangeklagte und ein weiterer Angeklagter im Gerichtssaal | AFP

Tod von 39 Migranten in Lkw 15 Jahre Haft für Schleuser

Stand: 19.01.2022 13:14 Uhr

Wegen des qualvollen Todes von 39 Migranten in einem Lastwagen in England sind mehrere Mitglieder einer Gruppe von Menschenschleusern verurteilt worden. Der Chef der belgischen Schleusergruppe muss 15 Jahre ins Gefängnis.

Wegen des Todes von 39 Migranten in einem Lastwagen in Großbritannien ist die Schlüsselfigur einer Gruppe von Menschenschleusern in Belgien zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in Brügge verhängte eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren gegen den Mann. Die Menschenschleuser sollen für den Tod der 39 Menschen, darunter auch Minderjährige, an Bord des Lkw verantwortlich sein. Der vietnamesische Mann muss demnach zudem eine Strafe von 920.000 Euro zahlen und rund 2,3 Millionen Euro werden beschlagnahmt.

Der Angeklagte leitete Schleusernetzwerk

Die belgischen Ermittler hatten den Mann als "Chef der belgischen Zelle" bezeichnet. Auch das Gericht ging davon aus, dass der 45-Jährige das Schleusernetzwerk - "eine kriminelle Organisation" - in Belgien leitete. Insgesamt soll der Mann für die Schleusung von mindestens 115 Menschen zwischen September 2018 und Mai 2020 verantwortlich gewesen sein.

17 weitere Menschen wurden den Angaben zufolge zu Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahren verurteilt.

Opfer aus armen Regionen in Vietnam

Der Tod der 39 Menschen aus Vietnam hatte im Oktober 2019 für Entsetzen gesorgt. Ihre Leichen wurden in Grays im Südosten Englands im Anhänger eines Lastwagens entdeckt, der aus Belgien kam. Für die Überfahrt hatten sie jeweils mehr als 10.000 Euro bezahlt.

Experten zufolge war die Temperatur in dem versiegelten Container auf bis zu 40 Grad gestiegen. Laut Obduktionsbericht starben sie, eingesperrt in dem Container, an Sauerstoffmangel und Überhitzung. Die Migranten hatten demnach keine Überlebenschance.

Die Opfer stammten aus armen ländlichen Regionen in Vietnam, wo viele ihr Leben riskieren in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Ausland. In Großbritannien angekommen, arbeiten sie oft illegal auf Cannabis-Farmen oder in Nagelstudios, um ihre Schulden bei den Schleppern bezahlen zu können.

Andere Mitglieder der Schleusergruppe wurden in dem Fall bereits zu langen Haftstrafen in Großbritannien verurteilt, unter anderem der Fahrer des Lasters und zwei weitere Anführer der Schleuserorganisation.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2022 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.