Alexander De Croo, Premierminister von Belgien, Jan Jambon, Ministerpräsident von Flandern, und Frank Vandenbroucke, Gesundheitsminister von Belgien | picture alliance/dpa/BELGA Pool

Corona-Pandemie Neue Virusvariante in Belgien nachgewiesen

Stand: 26.11.2021 19:23 Uhr

Die zuerst in Südafrika nachgewiesene Virusvariante ist nun auch in Belgien aufgetaucht. Ein Reisender aus Ägypten ist infiziert, teilte die Regierung mit. Weltweit schränken Staaten den Flugverkehr mit dem südlichen Afrika ein.

Die neue Variante des Coronavirus ist bereits in Europa angekommen. Die Untersuchung einer Virusprobe in Belgien habe gezeigt, dass es sich um die in Südafrika aufgetauchte Variante B.1.1.529 handele, twitterte der Virologe Marc Van Ranst. Sie stamme von einem Reisenden, der am 11. November aus Ägypten zurück nach Belgien gekommen sei und am 22. November erste Symptome gezeigt habe. Van Ranst hatte zuvor erklärt, es gebe zwei auffällige Proben, die untersucht würden. 

Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bestätigte den Fall. Premierminister Alexander De Croo kündigte Reisebeschränkungen für Einreisende aus Ländern im südlichen Afrika an. Es sei Vorsicht erforderlich, aber keine Panik, sagte Vandenbroucke.

Deutschland erlässt Auflagen für Flugverkehr

Die neue Variante hat weltweit zu Besorgnis bei Experten und Politikern geführt. Forscher befürchten, dass die vielen Mutationen der zunächst im südlichen Afrika nachgewiesenen Variante B.1.1.529 dazu führen, dass sich der Erreger schneller ausbreitet oder die Impfstoffe ihre Schutzwirkung verlieren. Allerdings ist unklar, ob sie gefährlicher ist als die derzeit vorherrschende Delta-Variante.

Die Bundesregierung will den Flugverkehr mit Südafrika deswegen einschränken. Deutschland werde das Land zum Virusvariantengebiet erklären, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an. Die Regelung trete in der Nacht zum Samstag in Kraft. Gegebenenfalls seien auch Nachbarländer Südafrikas betroffen. Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern.

Er rief Rückkehrer aus Südafrika dazu auf, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben und einen PCR-Test zu machen. "Das letzte, was uns jetzt noch fehlt, ist eine eingeschleppte neue Variante, die noch mehr Probleme macht", sagte Spahn. Kanzleramtsminister Helge Braun hatte zuvor im ARD-Morgenmagazin gesagt, ihm mache die Variante "sehr große Sorgen". In Deutschland ist die Variante nach Angaben des Robert Koch-Instituts noch nicht festgestellt worden.

Notbremse für die ganze EU?

Die EU-Kommission empfahl allen Mitgliedstaaten, den Reiseverkehr mit den Ländern des südlichen Afrikas vorübergehend einzustellen. Sämtliche Flugreisen aus den betroffenen Ländern "sollten unterbleiben", bis die Gefährlichkeit der Variante geklärt sei, sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Deshalb habe ihre Behörde den Mitgliedstaaten vorgeschlagen, die Notbremse für Reisen aus den Ländern im südlichen Afrika zu aktivieren. Neben Deutschland schränkten mehrere europäische Länder und Russland den Flugverkehr aus der Region ein oder kündigten entsprechende Schritte an.

Harte Einschränkungen in Israel

Auch die Regierung in Israel untersagt die Einreise aus zahlreichen afrikanischen Staaten. Diese würden als "rote Länder" eingestuft, teilte das Büro von Ministerpräsident Naftali Bennett mit. All jene, die in der vergangenen Woche eingereist seien, müssten in Quarantäne. Die Länder in Nordafrika sind von den Auflagen allerdings ausgenommen.

Zuvor hatten die Behörden erklärt, dass ein Mann aus Malawi nach Israel zurückgekehrt sei, der sich mit der Variante B.1.1.529 angesteckt habe. Zudem gebe es drei weitere Verdachtsfälle, sagte Bennett. In Japan und Singapur gibt es bereits verschärfte Grenzkontrollen für Reisende aus Südafrika und anderen afrikanischen Staaten. Indiens Gesundheitsministerium erklärte: Internationale Reisende aus Südafrika und anderen Ländern sollten konsequent getestet und geprüft werden.

Südafrikanischer Minister: Reaktion "unberechtigt"

Die Reaktion vieler europäischer Länder auf die neu entdeckte Virusvariante ist nach Ansicht des südafrikanischen Gesundheitsministers "unberechtigt". Bisher sei es unklar, ob die Variante B.1.1.529 ansteckender sei als andere Varianten, sagte Joe Phaahla während einer virtuellen Pressekonferenz.

Maßnahmen wie Einreiseverbote würden völlig gegen existierende Normen und Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verstoßen, sagte Phaahla. Man habe mit den Mitteilungen am Donnerstag lediglich Erkenntnisse südafrikanischer Wissenschaftler schnellstmöglich teilen wollen. Auch sei ungeklärt, ob Corona-Impfstoffe gegen die neu entdeckte Virusvariante weniger wirksam sein könnten.

WHO stuft Variante als "besorgniserregend" ein

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD hatte  am Donnerstag mitgeteilt, es seien in Südafrika 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen.

Nach Beratungen mit Experten stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die neue Virusvariante als "besorgniserregend" ein. Diese Klassifizierung ist laut WHO-Definition ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Außerdem besteht bei "besorgniserregenden Varianten" die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen, Medikamente oder Corona-Maßnahmen weniger wirksam sind.

Diese nun Omikron genannte Variante weise eine große Anzahl Mutationen auf, von denen einige besorgniserregend seien, hieß es. Vorläufige Hinweise deuteten auf ein erhöhtes Risiko einer Reinfektion bei dieser Variante im Vergleich zu anderen besorgniserregenden Varianten, zu denen auch die derzeit vorherrschende Delta-Variante zählt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. November 2021 um 17:00 Uhr.