"Freiheit für Roman Protasewitsch!" und "Freiheit für Sofia Sapega!" fordern zwei Protestplakate. | EPA

Freundin des Bloggers Protassewitsch Vater bittet um Begnadigung von Sofia Sapega

Stand: 17.06.2021 17:43 Uhr

Seit fast vier Wochen sitzt Sofia Sapega, die Freundin des Bloggers Protassewitsch, in Belarus in Haft. Ihr Vater fordert nun ihre Begnadigung. Sie habe aus Liebe gehandelt, nicht aus Überzeugung, sagte er.

Die Eltern des inhaftierten belarusischen Bloggers Roman Protassewitsch hatten bereits kurz nach dessen spektakulärer Festnahme Ende Mai die Öffentlichkeit gesucht und die Freilassung ihres Sohnes gefordert. Jetzt trat auch der Vater von Protessewitschs ebenfalls inhaftierter Freundin Sofia Sapega vor die Presse und bat Machthaber Alexander Lukaschenko um die Begnadigung seines Kindes. "Jeder vernünftige Mensch versteht, dass Sofia am falschen Ort und mit der falschen Person war", sagte Andrej Sapega dem russischen Nachrichtenportal Primamedia.

Sofia soll nicht bei Protesten in Minsk dabeigewesen sein

Die Russin war gemeinsam mit Protassewitsch nach der Zwangslandung einer Passagiermaschine in Minsk festgenommen worden. Beide sind ein Paar. Die autoritären Behörden in Belarus werfen Sapega vor, Unruhen in der Ex-Sowjetrepublik gegen Lukaschenko organisiert zu haben. Sie sitzt in Untersuchungshaft.

"Bevor sie Roman Protassewitsch traf, war sie ein ganz normales Mädchen", sagte ihr Vater. Sofia sei während der Proteste im vergangenen Sommer und Herbst in Litauen gewesen, nicht in Minsk, sagte der 53-Jährige dem Nachrichtenportal. Wenn die 23-Jährige in dieser Zeit etwas gemacht habe, dann habe das mit Liebe zu tun, sie habe das nicht aus Überzeugung gemacht. "Sie half Roman bei seiner Arbeit."

Protassewitsch war seit seiner Inhaftierung dreimal vom Machtapparat Lukaschenkos öffentlich gezeigt worden. Der staatliche Sender "ONT" hatte in Belarus eine anderthalbstündige Sendung ausgestrahlt, in deren Verlauf Protassewitsch sogar Bewunderung für Lukaschenko äußerte, den er bis dahin immer wieder kritisiert hatte. Zudem gab der 26 Jahre alte Blogger in dem Gespräch zu, Proteste gegen den Machthaber organisiert zu haben. Angehörige und Oppositionelle bezeichneten das Interview als Ergebnis von Folter im Gefängnis. Die Bundesregierung bezeichnete es als "Schande".

EU bereitet weitere Sanktionen vor

Die EU, Großbritannien und die USA hatten nach den Inhaftierungen Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik verhängt, darunter ein Flug- und Landeverbot für belarusische Fluggesellschaften. Weitere Maßnahmen gegen insgesamt 78 Personen beziehungsweise staatliche Stellen oder Unternehmen sollen in Kürze folgen, wie am Mittwoch aus EU-Kreisen bekannt geworden war. Dabei geht es um Einreiseverbote und das das Einfrieren von Vermögenswerten. Die Maßnahmen sollen am Montag beim Treffen der EU-Außenminister formal beschlossen werden.

Beraten wollen die Außenminister auch über Wirtschaftssanktionen. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte Ende Mai als Möglichkeit auf ein Verbot der Ausgabe von belarusischen Staatsanleihen in der EU verwiesen. Darüber hinaus könnten demnach auch Unternehmen aus dem für das Land wichtigen Kali- und Phosphatbereich mit Sanktionen belegt werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Juni 2021 um 17:00 Uhr.