Sofia Sapega | via REUTERS

Urteil in Belarus Haftstrafe für Freundin von Regimekritiker

Stand: 06.05.2022 15:50 Uhr

Vor knapp einem Jahr hatte Belarus ein Flugzeug zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. Der an Bord sitzende Regimekritiker Protassewitsch und seine Freundin Sapega wurden verhaftet. Nun ist sie zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Knapp ein Jahr nach ihrer Festnahme ist die Freundin des belarusischen Regierungskritikers und Bloggers Roman Protassewitsch nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten in Belarus zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Anklage in sieben Punkten

Die 24-jährige Russin Sofia Sapega sei während eines Prozesses hinter verschlossenen Türen von einem Gericht in Grodno schuldig gesprochen worden, teilte das belarusische Menschenrechtszentrum Wjasna mit.

Sapega war in sieben Punkten angeklagt. Dazu zählten "Anstachelung zu sozialem Hass" sowie "Gewalt oder Drohungen" gegen die Polizei.

Festnahme nach Zwangslandung

Sapega befand sich im Mai 2021 zusammen mit Protassewitsch, der im Exil lebte, an Bord einer Ryanair-Maschine. Das Flugzeug wurde auf dem Flug von Griechenland nach Litauen von der belarusischen Luftwaffe zu einer Zwischenlandung gezwungen, Protassewitsch und Sapega wurden direkt nach der Landung in Minsk verhaftet. Belarus begründete die Unterbrechung des Fluges mit einer angeblichen Bombendrohung.

Die erzwungene Landung und die Festnahme der beiden Oppositionellen hatten scharfen Protest in Europa ausgelöst und Sanktionen gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko nach sich gezogen. Dieser warf Protassewitsch vor, eine "blutige Rebellion" geplant zu haben.

Protassewitsch und Sapega hatten die Vorwürfe in Videos gestanden. Im Westen geht man davon aus, dass die "Geständnisse" unter Druck zustande kamen. Sapega kooperierte nach ihrer Festnahme mit den Behörden und bat Lukaschenko um ihre Freilassung.

Protassewitsch war früher Chefredakteur des oppositionellen Telegram-Nachrichtenkanals Nexta. Über Nexta waren nach der von massiven Betrugsvorwürfen begleiteten Präsidentenwahl in Belarus im August 2020 Hunderttausende Demonstranten mobilisiert worden. Der 26-Jährige war bereits 2019 aus seiner Heimat geflohen.

Protassewitsch in Hausarrest - Warten auf Prozess

Dem 26-Jährigen wird vorgeworfen, Massenproteste ausgelöst zu haben, worauf in Belarus bis zu 15 Jahre Haft stehen. Der Geheimdienst verdächtigt ihn zudem, an "terroristischen Aktivitäten beteiligt" gewesen zu sein. Auf Terrordelikte steht die Todesstrafe. Protassewitsch wartet derzeit im Hausarrest auf seinen Prozess.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2022 um 16:00 Uhr.