Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus. | dpa

Belarus Weitere Razzien gegen unabhängige Medien

Stand: 08.07.2021 18:24 Uhr

Der belarusische Machthaber Lukaschenko geht weiter gegen regierungskritische Medien im Land vor: Mehrere Online-Nachrichtenportale wurden blockiert, zudem gab es wieder Razzien. Mindestens drei Journalisten wurden festgenommen.

In Belarus geht der Apparat von Machthaber Alexander Lukaschenko weiter mit Razzien gegen unabhängige Medien vor. Die Behörden blockierten die Internetseite von "Nascha Niwa" (Deutsch: Unser Feld). Das Informationsministerium teilte mit, das Portal verbreite verbotene Informationen. Details zu den Gründen für die Sperre gab es nicht.

Nach Angaben des belarusischen Journalistenverbands kamen Chefredakteur Jegor Martinowitsch und Redakteur Andrej Skurko in Gewahrsam, zudem wurden demnach ihre Wohnungen durchsucht. Vier weitere Journalisten von "Nascha Niwa" seien unerreichbar. Auch der Chefredakteur der unabhängigen Nachrichten-Website orsha.eu, Igor Kasmertschaka, wurde laut dem belarusischen Journalistenverband verhaftet. Zudem sei der Zugang zu dem IT-Onlinemagazin dev.by blockiert worden. Über Razzien klagten auch die unabhängige "Brestter Zeitung" und die Redaktion des Portals Intex-Press.

Im April wurde "Nascha Niwa" zu Geldstrafe verurteilt

"'Nascha Niwa' ist nicht nur eine Website, sondern die älteste belarussische Zeitung", sagte die im Exil lebende Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja in einem auf Twitter veröffentlichten Video. Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, die unabhängigen Medien und Journalisten in Belarus zu unterstützen.

"Nascha Niwa" wurde 1906 gegründet und 2016 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten in eine reine Online-Zeitung umgewandelt. Im Internet greifen mehr als 100.000 Nutzer auf ihre Inhalte zu. Das beliebte Nachrichtenportal hatte ausführlich über die Proteste gegen Staatschef Alexander Lukaschenko im vergangenen Jahr berichtet. Die Behörden hatten bereits in den vergangenen Monaten den Druck auf "Nascha Niwa" erhöht. Im April wurde das Medienunternehmen wegen "illegaler unternehmerischer Tätigkeit" zu einer Geldstrafe von umgerechnet 4500 Euro verurteilt.

Seit den historischen Massenprotesten gegen die Regierung im vergangenen Jahr gehen die belarusischen Behörden massiv gegen Medien vor, die nicht vom Staat kontrolliert werden. Der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Machthaber Lukaschenko sieht sich international in der Kritik, mit Propaganda in den Staatsmedien jede Form von unabhängigem Journalismus zu unterdrücken. Mindestens 25 Journalisten und andere Medienschaffende befinden sich nach Angaben des belarusischen Journalistenverbandes derzeit in Haft oder stehen unter Hausarrest.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juli 2021 um 15:00 Uhr.