Sicherheitskräfte in Minsk, der Hauptstadt von Belarus. | via REUTERS

Protest gegen Lukaschenko Fast 250 Festnahmen in Belarus

Stand: 28.03.2021 11:29 Uhr

Mit einem massiven Aufgebot haben die Sicherheitskräfte in Belarus versucht, neue Proteste gegen Präsident Alexander Lukaschenko zu unterbinden. Mindestens 245 Menschen wurden festgenommen. Darunter waren auch Journalisten.

Bei neuen Protestaktionen in Belarus gegen Machthaber Alexander Lukaschenko sind am Samstag Menschenrechtsorganisationen zufolge mindestens 245 Menschen festgenommen worden. Nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna gab es die meisten Festnahmen in der Hauptstadt Minsk. Die Behörden hatten zuvor noch von mehr als 100 Festgenommenen gesprochen.

DW-Journalist festgenommen

Die Opposition hatte zuvor größere Proteste angekündigt. Fotos und Videos zeigten, dass Menschen nur in kleineren Gruppen oder allein auf den Straßen unterwegs waren. Die Opposition schrieb im Nachrichtenkanal Telegram, dass es nicht gelungen sei, viele Menschen zu mobilisieren. Die Polizei war vor allem in Minsk mit einem großen Aufgebot vor Ort, zu sehen waren viele Gefangenentransporter. Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zeigten zudem teilweise brutale Szenen.

Medien berichteten von wahllosen Festnahmen auf Straßen und Plätzen. Darunter seien mehrere Medienvertreter gewesen, teilte der Journalistenverband mit. Betroffen war demnach auch ein Korrespondent der Deutschen Welle (DW). Er sei am Nachmittag bei Dreharbeiten verhaftet und rund fünf Stunden festgehalten worden, teilte die Deutsche Welle mit. Es sei bereits die zweite Festnahme des Reporters innerhalb einer Woche gewesen.

Geschwächte Protestbewegung

Über den Winter hatte es keine größeren Protestaktionen mehr gegeben - auch aus Angst vor Polizeigewalt. Erst am Donnerstag gingen zum sogenannten Tag der Freiheit erstmals wieder Hunderte Menschen gegen Lukaschenko auf die Straße. Die Behörden sprachen von mehr als 200 Festnahmen. Ermittelt wurde danach zudem gegen Autofahrer, die aus Solidarität mit den Demonstrierenden auf der Straße gehupt hatten.

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August des vergangenen Jahres hatten Hunderttausende Menschen den Rücktritt Lukaschenkos und Neuwahlen gefordert. Die Polizei ging brutal gegen Demonstrierende vor. Mehrere Menschen wurden getötet, Zehntausende festgenommen und Hunderte zu teils langen Haftstrafen verurteilt.

Opposition fordert "friedlichen Ausweg"

Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja, die von der Opposition als wahre Siegerin der Präsidentenwahl angesehen wird, warb erneut für Verhandlungen mit der autoritären Führung unter internationaler Vermittlung. So könne ein "friedlicher Ausweg aus der Krise in Belarus" gefunden werden, schrieb sie bei Telegram. Mehr als 750.000 Menschen hätten bereits auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform für den Beginn solcher Verhandlungen gestimmt.

Der als letzter Diktator Europas kritisierte Staatschef will nicht zurücktreten und hat lediglich Verfassungsreformen in Aussicht gestellt, deren Umfang nicht klar umrissen wurde. Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an und verhängte Sanktionen gegen ihn und Dutzende andere mutmaßliche Verantwortliche für Wahlbetrug und Gewalt. Er stützt sich auf Russland als Verbündeten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. März 2021 um 10:12 Uhr und um 21:03 Uhr.