Polnische Polizei bewacht die Grenze zwischen Polen und Belarus. | via REUTERS

Grenzstreit mit Polen Belarusische Soldaten zerstören offenbar Grenzbarriere

Stand: 13.11.2021 20:10 Uhr

Im Grenzstreit mit Polen sollen belarusische Soldaten eine Grenzbarriere zerstört haben, um Migranten offenbar die Überquerung zu ermöglichen. Zuvor hatten polnische Beamte an der Grenze die Leiche eines jungen Syrers gefunden.

Der Grenzstreit zwischen Belarus und Polen eskaliert weiter. Laut der polnischen Grenztruppen hätten belarusische Soldaten in der Nacht mit der Zerstörung einer provisorischen Grenzbarriere nahe dem Dorf Czeremcha begonnen und polnische Sicherheitskräfte mit Laserstrahlern geblendet.

In der Nähe hätten 100 Migranten darauf gewartet, die Grenze zu überqueren. "Die Belarusen haben die Ausländer mit Tränengas ausgestattet, das gegen die polnischen Dienste eingesetzt wurde", erklärten die Grenztruppen. Ein Grenzübertritt der Menge sei verhindert worden.

Toter Syrer an Grenze gefunden

Zuvor hatte die polnische Polizei im Wald an der Grenze zu Belarus die Leiche eines jungen Syrers gefunden. Wie die Beamten mitteilten, wurde der Tote am Vortag in der Nähe des Dorfs Wolka Terechowska entdeckt. Die genaue Todesursache habe nicht festgestellt werden können, hieß es.

In dem seit mehreren Monaten andauernden Migrationskonflikt mit Belarus sind damit insgesamt mindestens neun Tote gemeldet worden.

Syrische Fluggesellschaft stoppt Flüge nach Minsk

Die private syrische Fluggesellschaft Cham Wings stellte unterdessen ihre Flüge nach Belarus ein. Die Verbindung nach Minsk werde nicht mehr bedient, weil die Airline bei den Passagieren "nicht zwischen Reisenden und Migranten unterscheiden" könne, erklärte die Fluggesellschaft. "Wegen der schwierigen Lage an der Grenze zwischen Belarus und Polen und weil die meisten der Reisenden auf unseren Flügen nach Minsk syrische Staatsbürger sind, haben wir entschieden, unsere Flüge nach Minsk einzustellen", erklärte Cham Wings.

Zuvor hatte bereits die türkische Regierung für Menschen aus Syrien, dem Irak und dem Jemen die Weiterreise nach Belarus verboten. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines bietet eine der am häufigsten genutzten internationalen Verbindungen nach Minsk an.

Lukaschenko schafft Instabilität im Staatenbund

Die EU wirft der Regierung des belarusischen Präsidenten Alexander Lukaschenko vor, einer neuen Welle der Massenmigration Vorschub zu leisten und so Instabilität im Staatenbund zu schaffen. Damit wolle er Vergeltung für Sanktionen üben, die die EU wegen des brutalen Vorgehens gegen Dissidenten in Belarus gegen seine Regierung verhängt hat.

Die EU spricht von einem "hybriden Angriff". Belarus hat die Vorwürfe zurückgewiesen, erklärt aber auch, Flüchtlinge und Migranten würden nicht länger am Versuch gehindert, in die EU zu gelangen. Seit Beginn des Jahres kam es nach Angaben des polnischen Grenzschutzes zu 33.000 Versuchen eines illegalen Grenzübertritts, davon allein 17.000 im Oktober.

Statt Blockade Zelte für Migranten

Polen sowie Litauen und Lettland haben ihre Grenzsicherung zuletzt ausgebaut, um die neue Migrationsroute zu blockieren. Mit dem herannahenden Winter und sinkenden Temperaturen wird die Lage für die zahlreichen im Grenzgebiet ausharrenden Menschen immer gefährlicher.

Eine Entspannung der Lage ist nicht abzusehen. Die staatliche belarusische Nachrichtenagentur Belta berichtete, Lukaschenko habe das Militär angewiesen, Zelte an der Grenze zu errichten. Dort könnten Nahrungsmittel und andere humanitäre Hilfe gesammelt und an die Migranten verteilt werden, hieß es.

Mit Informationen von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Über dieses Thema berichtete BR24 am 13. November 2021 um 13:36 Uhr.