Viktor Babariko galt als Präsident Lukaschenkos aussichtsreichster Gegenkandidat bei Belarus' Präsidentschaftswahl. | REUTERS

Belarus 14 Jahre Haft für Lukaschenko-Gegner

Stand: 06.07.2021 10:17 Uhr

Der Ex-Banker Babariko wollte gegen den belarusischen Präsidenten Lukaschenko bei der Wahl im vergangenen Jahr antreten - dann wurde der Oppositionelle angeklagt. Er muss nun wegen vermeintlicher Korruption für 14 Jahre in Haft.

Der belarusische Oppositionelle Viktor Babariko ist nach Angaben seiner Unterstützer wegen Korruption zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Er müsse seine Strafe in einem Hochsicherheits-Straflager verbüßen, teilten seine Unterstützer auf dem Twitter-Account des 57-Jährigen mit.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem ehemaligen Chef der Belgazprombank unter anderem die Annahme von Bestechungsgeldern zur Last gelegt. Sie hatte 15 Jahre Haft gefordert. Ein Urteil in der Höhe war bereits zuvor aus den Reihen seiner Unterstützer erwartet worden.

Babariko selbst hatte jegliches Fehlverhalten verneint. Er hatte zuvor geäußert, dass er die Anschuldigungen sowie den gesamten Prozess für politisch motiviert hält. Auch international stand der Prozess gegen Babariko als politische Inszenierung in der Kritik.

Festnahme wenige Wochen vor der Wahl

Babariko hatte bei der Präsidentschaftswahl in Belarus im vergangenen Jahr kandidiert und galt als wichtigster Herausforderer von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko. Wenige Wochen vor der Abstimmung wurde er festgenommen. Bei der Festnahme am 18. Juni 2020 war Babariko mit seinem Sohn auf dem Weg zur Zentralen Wahlkommission, als er Unterschriften für seine Kandidatur übergeben wollte. Lukaschenko hatte damals die Behörden offen dazu aufgerufen, gegen seinen Herausforderer vorzugehen.

Babarikos Verhaftung führte dazu, dass sich mehrere Lager von Regierungskritikern zusammenschlossen und die Kandidatur der inzwischen im Exil in Litauen lebenden Swetlana Tichanowskaja unterstützten. Die von massiven Betrugsvorwürfen überschattete Wahl im August gewann nach Angaben der Wahlkommission Lukaschenko, Massenproteste gegen ihn wurden von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen. Zehntausende Menschen wurden vorübergehend festgenommen, Hunderte verletzt und mehrere getötet. Unter den Festgenommenen ist auch Maria Kolesnikowa. Sie hatte Babarikos Wahlkampfteam geleitet und wurde nach dessen Festnahme neben Tichanowskaja eines der prominentesten Gesichter der Opposition.

EU-Sanktionen gegen Lukaschenkos Machtapparat

Die EU erkennt den seit 1994 autoritär regierenden Lukaschenko unter anderem aufgrund des Verdachts der Wahlmanipulation nicht mehr als Präsidenten an. Die EU verhängte wegen des brutalen Vorgehens gegen die Opposition zudem zahlreiche Sanktionen gegen den Machtapparat. Der Präsident weist die Betrugsvorwürfe bei der Wahl jedoch zurück.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juli 2021 um 10:20 Uhr.