In Warschau landet Anfang August 2021 eine Maschine der Fluggesellschaft LOT, an Bord die belarusische Sprinterin Timanowskaja. | AFP

Nach Olympia-Eklat Timanowskaja in Polen angekommen

Stand: 04.08.2021 21:22 Uhr

Aus Angst vor Repressalien will die Sprinterin Timanowskaja nicht nach Belarus zurückkehren. Nun ist sie in Polen angekommen, wo sie humanitäres Asyl erhalten soll. Gleiches wurde ihrem Mann in Aussicht gestellt.

Die belarusische Olympia-Teilnehmerin Kristina Timanowskaja ist in Polen angekommen. Am Abend landete sie an Bord einer Maschine der staatlichen Fluggesellschaft LOT auf dem internationalen Chopin-Flughafen in Warschau.

In Polen soll die 24-Jährige humanitäres Asyl erhalten. Sie war unter dem Schutz polnischer Diplomatie von Tokio aus gestartet, hatte aber nicht wie angekündigt einen Direktflug nach Warschau genommen, sondern flog stattdessen über Wien. Konsulatsmitarbeiter hätten ihre Flugroute aufgrund von Sicherheitsbedenken geändert, erklärte ein Vertrauter Timanowskajas der Nachrichtenagentur Reuters.

Polen sichert umfassende Unterstützung zu

Die Sportlerin reist aus Angst vor Repressalien ins Exil. Polens stellvertretender Außenminister Marcin Przydacz versicherte, sein Land werde alles tun, "was notwendig ist, um ihr zu helfen, ihre Sportkarriere fortzusetzen." Nun sei es Timanowskajas Entscheidung, ob sie langfristig in Polen bleiben wolle. "In einer Demokratie entscheiden die Menschen selbst über ihre Zukunft", betonte Przydacz.

Auch Timanowskajas Ehemann Arseni Zdanewitsch erhielt nach Angaben der polnischen Regierung ein humanitäres Visum. Er war nach eigenen Angaben aus Belarus geflüchtet und hielt sich zuletzt in der Ukraine auf.

Ausscheiden nach Kritik an Sportfunktionären

Timanowskaja hatte zuvor Kritik an den belarusischen Sportfunktionären geübt, weil sie bei den Olympischen Spielen in Japan ohne Rücksprache mit ihr für das 4x400-Meter-Rennen statt für den 200-Meter-Lauf aufgestellt worden war. Das belarusische Nationale Olympische Komitee (NOK) erklärte daraufhin, Timanowskaja scheide wegen ihres "emotionalen und psychologischen Zustands" aus dem Wettbewerb aus. 

Die Athletin wies die Behauptungen über ihren Zustand zurück und bat das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Hilfe: "Ich stehe unter Druck, und sie versuchen, mich gegen meinen Willen außer Landes zu bringen", sagte sie in einem Video. Die Nacht zum Montag verbrachte sie unter Schutzvorkehrungen in einem Flughafenhotel in Tokio.

IOC setzt Disziplinarkommission ein

Das Internationale Olympische Komitee setzte eine Disziplinarkommission ein. Diese solle die Tatsachen in dem Skandal um die mutmaßlich von belarusischen Behörden versuchte Entführung der Leichtathletin aus Tokio feststellen, sagte IOC-Sprecher Mark Adams.

Die belarusischen Behörden gehen seit Monaten strikt gegen Regierungskritiker vor. Im vergangenen Jahr waren Massenproteste nach der umstrittenen Wiederwahl von Machthaber Alexander Lukaschenko brutal niedergeschlagen worden. 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. August 2021 um 22:15 Uhr.