Weltklimakonferenz in Glasgow | AFP

Beginn der Weltklimakonferenz Wird der Weckruf gehört?

Stand: 31.10.2021 02:19 Uhr

Die Klimaprojektionen sind düster, die Zeit drängt: An die heute beginnende UN-Klimakonferenz in Glasgow werden deshalb große Erwartungen gestellt. Ob sie erfüllt werden, ist jedoch ungewiss.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London, zzt. Glasgow

Es war ein bedeutender und für viele Teilnehmer emotionaler Moment, als 2015 das Pariser Klimaabkommen geschlossen wurde. Es stellte das erste völkerrechtlich bindende Abkommen dar, in dem sich alle Staaten verpflichten, das Klima zu schützen. Der Vertrag sieht vor, dass die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, nach Möglichkeit auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden soll.

Imke Köhler ARD-Studio London

Um das zu erreichen, sollten die Staaten nach fünf Jahren neue Pläne mit ehrgeizigeren Zielen vorlegen. Weil die Konferenz im letzten Jahr Pandemie-bedingt verschoben werden musste, ist nun der Zeitpunkt dafür. Auch deshalb ist die COP26 so bedeutend, denn der Handlungsbedarf ist groß, die Projektionen sind düster.

Alok Sharma, der designierte Präsident der Weltklimakonferenz, der die COP26 heute in Glasgow eröffnen wird, spricht von einem Weckruf. Wenn man den Klimawandel jetzt nicht in den Griff bekomme, werde die Menschheit einer Katastrophe gegenüberstehen.

Greenpeace fordert von EU mehr Ehrgeiz

Während heute auf der Konferenz eher Verfahrenstechnisches auf der Agenda stehen wird, wie etwa die Festlegung der Tagesordnung und die formelle Wahl von Sharma zum Präsidenten der UN-Konferenz, werden morgen und am Dienstag rund 120 Staats- und Regierungschefs erwartet. Dann dürfte sich zeigen, inwiefern der Weckruf tatsächlich gehört wurde. Lisa Göldner, Klimaexpertin von Greenpeace, sagte vorab:

Ich bin positiv überrascht, beispielsweise von den USA. Es ist ein unglaublich wichtiges Signal an die Welt, dass Joe Biden den Klimaschutz jetzt entschlossen anpackt, nach verlorenen Jahren unter der Regierung Trump. Wo noch nachgebessert werden muss, ist bei China, bei Indien, bei den großen Emittenten dieser Welt, aber auch die Europäische Union muss beim Klimaschutz noch eine Schippe drauflegen."

Steigende statt sinkende Emissionen

Tatsächlich werden, wie es derzeit aussieht, die Emissionen bis 2030 weiter steigen. Um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, müssten die Staaten die Emissionen im Vergleich zu 2010 aber halbieren.   

Bevor sie sich diesem Problem widmen können, müssen viele Besucher, die nach Glasgow kommen möchten, erst noch ein anderes Problem lösen: Sie müssen eine Unterkunft finden. Kate Jones hat Familien organisiert, die bereit sind, Gäste privat aufzunehmen. 1000 Haushalte machen mit, aber wie sich zeigt, reicht das nicht: 

Wir haben die COP-Homestay-Website aufgesetzt, damit Besucher aus dem globalen Süden und jüngere Leute und solche mit wenig Geld zur Konferenz kommen können. Aber tatsächlich gehen jetzt alle Personen, die zur Konferenz kommen wollen, auf diese Seite, weil es keine anderen Möglichkeiten gibt. Wir werden völlig überrannt. Wir haben eine Warteliste mit dreitausend Leuten."

Auch Delegierte finden keine Unterkunft

Zuletzt waren von dem Übernachtungsproblem offenbar auch Hunderte Delegierte betroffen. Da ihre Länder ursprünglich auf der roten Liste standen, hatten sie damit gerechnet, in den von der Regierung bereitgestellten Hotels unterzukommen, um dort ihre Quarantäne abzusitzen. Nun stehen ihre Länder plötzlich nicht mehr auf der roten Liste, aber in Glasgow gibt es jetzt keine freien Hotelzimmer mehr.

Immerhin eine Sorge ist inzwischen vom Tisch: Der angedrohte Bahnstreik in Schottland konnte noch abgewendet werden. Ansonsten hätten viele Teilnehmer womöglich nicht einmal den Konferenzort erreicht.  

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.