Annalena Baerbock vor einem durch eine Mine zerstörten Auto bei Kiew  | dpa

Baerbock in Kiew "Mehr als erschreckend"

Stand: 10.09.2022 13:35 Uhr

Außenministerin Baerbock ist zu ihrem zweiten Besuch in der Ukraine. Beim Besuch eines Minenräumungsprojekts wurde ihr die Brutalität des Kriegs erneut deutlich. Sie sicherte deutsche Unterstützung zu.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio, zurzeit in Kiew

Einigermaßen fassungslos steht die deutsche Außenministerin neben einem völlig zerstörten Autowrack. Ein Fahrzeug, wie ihr erläutert wird, das im März - kurz nach Kriegsbeginn also - auf einem Feldweg unweit der Hauptstadt Kiew auf eine Mine gefahren sei - die zwei Insassen seien dabei ums Leben gekommen. Selbst vier, fünf Meter hoch, in den Ästen des Baums darüber, sind noch Trümmerteile zu entdecken.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

"Was ich hier sehe, ist mehr als erschreckend", sagte Annalena Baerbock beim Besuch des mit deutschen Geldern unterstützten Minenräumungsprojekts HALO Trust nicht weit von der Hauptstadt: Die russische Armee habe "ganz bewusst" nicht nur Anti-Panzer-Minen eingesetzt, sondern gezielt auch Anti-Personen-Minen, "um Zivilisten zu töten".

Selbst im Kinderspielzeug hätten die Mitarbeiter der Hilfsorganisation Minen gefunden - "die offensichtlich nichts anderes zum Ziel hatten, als unschuldige Menschen, selbst Kinder zu töten".

Menschen sollen in ihre Häuser zurückkehren können

Sowohl ukrainische als auch russische Militärs hatten nach Angaben von Projektmitarbeitern in der Gegend Minen verlegt. Die Räumung dient nun dem Zweck, dass die Menschen wieder in ihre Häuser und auf ihre Felder zur Arbeit zurückkehren können.

Denn: Auch wenn sich die russischen Panzer aus den Vororten Kiews schon vor Monaten zurückgezogen haben - sicher ist das Leben für die Menschen hier nicht. Das ist eine Erkenntnis, die auch die deutsche Außenministerin von ihrem zweiten Ukraine-Besuch seit Kriegsbeginn mit nach Hause nehmen wird.

"Unterstützung auf Dauer"

Die Besichtigung der Spuren des Krieges hier am Stadtrand Kiews bestärkt die Grünen-Politikerin auch in ihrer Haltung, jetzt nicht mit der Hilfe nachzulassen: "Das mahnt uns auch, dass wir die Unterstützung der Ukraine auf Dauer anlegen müssen."

Dass Deutschland unumstößlich an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer stehe, ist eines der Signale, das die Außenministerin mit ihrem bereits zweiten Besuch seit Kriegsbeginn zu senden sucht: Man werde dem Land beistehen, "so lange es nötig ist - mit der Lieferung von Waffen, mit humanitärer und finanzieller Unterstützung", versprach die deutsche Chefdiplomatin bei ihrer Ankunft. Sie war aus Sicherheitsgründen in einer über zehnstündigen Fahrt mit dem Nachtzug angereist.

Was ist mit mehr militärischer Hilfe?

Kein Geheimnis ist, dass die ukrainische Regierung die deutsche Hilfe, auch für zivile Projekte wie die Minenräumung schätzt - sich aber dennoch mehr militärische Unterstützung erhofft. In einem entscheidenden Moment des Krieges, in dem die Ukraine den Beweis zu erbringen sucht, dass sie in der Lage ist, von russischen Truppen besetzte Gebiete zurückzuerobern.

Fragen dazu, was sie konkret im Gepäck habe, wich Baerbock zunächst aus: Die militärische Unterstützung ist massiv notwendig." Hätten wir die Ukraine nicht militärisch unterstützt, wäre dieser Ort, wo ich hier gerade stehe, nie befreit worden." Aber selbst wenn die Panzer weg seien, würden diese Orte nicht sicher. "Daher müssen wir viel mehr tun, als militärisch unterstützen", bekundete die Grünen-Politikerin - wohl wissend, dass die Erwartungen Kiews gerade die militärische Unterstützung betreffend, hoch bleiben werden. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. September 2022 um 13:00 Uhr.