Annalena Baerbock bei ihrer Nachtzugankunft in Kiew | dpa

Baerbock in Kiew Zweiter Besuch seit Kriegsbeginn

Stand: 10.09.2022 08:04 Uhr

Unangekündigter Besuch in der Ukraine: Bundesaußenministerin Baerbock sagte bei der Ankunft dem Land Beistand zu - so lange dieser nötig sei. Das Kalkül des Kreml werde nicht aufgehen.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio, zurzeit in Kiew

Der Überraschungsbesuch der Außenministerin ist zugleich ein äußerst symbolträchtiger: Bereits zum zweiten Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat Annalena Baerbock die Reise nach Kiew angetreten. Abermals per Nachtzug - aus Sicherheitsgründen der für internationale Gäste derzeit übliche Anreiseweg.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Deutschland steht unumstößlich an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer, das ist eines der Signale, das die Außenministerin mit ihrem Besuch auszusenden sucht: "Ich bin heute nach Kiew gereist, um zu zeigen, dass sie sich weiter auf uns verlassen können", erklärte Baerbock. Man werde dem Land beistehen, "so lange es nötig ist - mit der Lieferung von Waffen, mit humanitärer und finanzieller Unterstützung", versprach die Ministerin bei ihrer Ankunft.

"Putin setzt darauf, dass wir der Anteilnahme müde werden"

Neben dieser Solidaritätsbotschaft dürfte es ein Hauptanliegen Baerbocks sein, die deutschen Blicke noch einmal auf die Lage der Menschen in dem angegriffenen Land zu lenken. Gerade angesichts des bevorstehenden Herbstes und der Tatsache, dass sich in Deutschland viele Menschen und Unternehmen wegen schwindelerregender Energiepreise Sorgen machen.

"Putin setzt darauf, dass wir der Anteilnahme am Leid der Ukraine müde werden", mahnte die Außenministerin. Und ergänzte: "Er glaubt, dass er unsere Gesellschaften mit Lügen spalten und mit Energielieferungen erpressen kann. Und dass er uns die Energie nehmen kann, uns gegen diesen brutalen Angriff auf unser aller Werte zu verteidigen." Diese Rechnung des russischen Präsidenten jedoch dürfe und werde nicht aufgehen.

Schon im Mai in Kiew

Bereits im Mai war die deutsche Chefdiplomatin als erste Ministerin aus dem Bundeskabinett in die Ukraine gereist. Damals hatte sie unter anderem den Kiewer Vorort Butscha besucht, Schauplatz mutmaßlicher Massaker und Kriegsverbrechen russischer Soldaten.

Sichtlich erschüttert hatte die Ministerin der Ukraine Hilfe bei der Aufklärung von Verbrechen zugesichert. Den Schmerz könne niemand nehmen, "aber wir können für Gerechtigkeit sorgen", sagte Baerbock damals. Bei ihrem Besuch hatte sie auch die deutsche Botschaft wiedereröffnet.

Erst vor wenigen Tagen war US-Außenminister Antony Blinken in Kiew. Er versprach der Ukraine sowie weiteren Staaten in Ost- und Südeuropa 2,2 Milliarden Dollar an langfristiger militärischer Hilfe. Neben der schnellen Unterstützung mit Waffen, die kurzfristig wirksam sein soll, nimmt der Westen zunehmend auch den Wiederaufbau und in die Zukunft gerichtete Hilfe für das Land in den Blick.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. September 2022 um 09:00 Uhr.