Ermittler untersuchen den Tatort im norwegischen Kongsberg | EPA

Tödlicher Angriff in Norwegen Tatverdächtiger muss in Untersuchungshaft

Stand: 15.10.2021 14:12 Uhr

Nach dem tödlichen Angriff in der norwegischen Stadt Kongsberg muss der Tatverdächtige unter ärztlicher Aufsicht für mindestens vier Wochen in Untersuchungshaft. Es mehren sich Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Mannes.

Der Mann, der im norwegischen Kongsberg fünf Menschen getötet haben soll, muss für vier Wochen in Untersuchungshaft. Das hat das Gericht in Buskerud entschieden. Die ersten zwei Wochen soll er isoliert verbringen. Außerdem verhängte das Gericht ein Besuchs-, Medien- und Briefverbot.

Es ist aber nicht davon auszugehen, dass der 37-jährige Däne die Untersuchungshaft im Gefängnis verbringen wird. Die Staatsanwältin sagte der norwegischen Zeitung "Verdens Gang", der Mann werde nun von Ärzten betreut. Der Mann hat eingeräumt, am Mittwochabend in Kongsberg mehrere Menschen mit Pfeil und Bogen und anderen Waffen angegriffen zu haben.

Terrorverdacht inzwischen abgeschwächt

Der Sicherheitsdienst der norwegischen Polizei stufte die Tat zunächst als Terrorhandlung ein, schwächte den Verdacht später aber ab. Nach den Verhören mit der Polizei kamen offenbar Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit auf. Menschen aus dem Umfeld des Mannes sagten dem norwegischen Rundfunk NRK, der Mann leide seit langem unter psychischen Problemen und sei schon als Jugendlicher ein Außenseiter gewesen. Der Anwalt des Mannes teilte mit, dass sein Mandant von Rechtspsychiatern untersucht werden solle.

Inzwischen gab die Polizei weitere Details zum Tathergang bekannt. Demnach trafen zwei Beamte zum ersten Mal in einem Supermarkt auf den Täter. Sie wurden mit Pfeilen beschossen und kamen nicht in eine Position, von der aus sie auf ihn schießen konnten, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Während die Beamten Schutzkleidung holten, gelang dem Täter die Flucht.

Menschen legen nach dem Attentat von Kongsberg mit fünf Toten Blumen nieder. | AP

Anwohner legen nach dem Attentat von Kongsberg Blumen nieder. Die Bürgermeisterin sprach von einer "tragischen Tat" Bild: AP

Besuch von Ministerpräsident und Justizministerin

Danach lief der Mann weiter durch die Innenstadt und drang auch in Wohnungen ein, wo er Menschen tötete. Die Polizei vermutet, dass alle fünf Opfer getötet wurden, nachdem der Mann zum ersten Mal mit der Polizei zusammengetroffen war. Staatsanwältin Ann Irén Svane Mathiassen sagte dem Fernsehsender TV2, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass er die Tat geplant habe. "Es deutet auch nichts darauf hin, dass es eine Situation im Laden gab, die dies ausgelöst hat." Weitere Verhöre seien vorerst nicht geplant.

Am Nachmittag werden der neue norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und Justizministerin Emilie Enger Mehl in Kongsberg erwartet. In der Innenstadt wurden Hunderte Kerzen und Blumen niedergelegt. Bürgermeisterin Kari Anne Sand sprach von einer tragischen Tat, die die Gemeinschaft viele Jahre mit sich tragen werde. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Oktober 2021 um 11:00 Uhr.