Polizeibeamte sperren eine Straße in Kongsberg ab | AP

Norwegen Tote und Verletzte bei Attacke mit Pfeil und Bogen

Stand: 14.10.2021 03:16 Uhr

In der norwegischen Stadt Kongsberg hat ein Mann mit Pfeil und Bogen mindestens fünf Menschen getötet und mehrere verletzt. Der mutmaßliche Täter, ein 37-jähriger Däne, wurde festgenommen und angeklagt. Er soll alleine gehandelt haben. Sein Motiv ist noch unklar.

In der norwegischen Stadt Kongsberg hat ein Mann nach Polizeiangaben fünf Menschen mit Pfeil und Bogen getötet und zwei weitere verletzt. Der mutmaßliche Einzeltäter sei gefasst worden. Die Tat ereignete sich demnach gegen 18.15 Uhr im Zentrum der Stadt Kongsberg, die rund 80 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Oslo liegt.

Der Täter sei mit Pfeil und Bogen bewaffnet gewesen - ob er auch andere Waffen bei sich trug, blieb bis zur Nacht offen. Bei dem Verdächtigen handele es sich Polizeiangaben zufolge um einen 37-jährigen Dänen, der aber in Kongsberg lebe. Er sei angeklagt worden. Man gehe von einem Einzeltäter aus. Nach weiteren Tätern werde nicht gesucht. Die Lage sei unter Kontrolle.

Die Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der zuständige Polizeichef Øyvind Aas. Sie lägen auf der Intensivstation. Aas sagte, er habe jedoch keine Anzeichen, dass sie in Lebensgefahr schwebten. Einer der beiden sei ein Polizeibeamter, der nicht im Dienst gewesen sei.

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt, die sich rund 80 Kilometer südwestlich von Oslo befindet. Das Zentrum wurde weiträumig abgeriegelt. Der Polizei sei um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schieße, sagte Aas. Mehrere Medien berichteten von einem Supermarkt als einem Ort des Geschehens.

Täter handelte wohl allein

Der Mann sei etwa eine halbe Stunde nach den ersten Meldungen in der Nähe der Tatorte festgenommen und in eine Polizeidienststelle in der Nachbarstadt Drammen gebracht worden, sagte Aas. Zuvor war er zunächst in einer "Konfrontation" mit der Polizei, bevor er vom Tatort floh und für eine Weile auf der Flucht war. Laut einem Bericht des Senders TV2 hatte der Mann auch ein Messer und eventuell mehrere andere Waffen bei sich. "Nach unseren bisherigen Informationen hat er die Taten allein ausgeführt." Nach weiteren Tätern werde nicht gesucht. Die Lage sei unter Kontrolle. Es gebe viele Zeugen, die nun zunächst befragt, und Spuren, die gesichert werden müssten. Die Gemeinde setzte einen Krisenstab ein.

Die Verletzten wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Zu den möglichen Motiven gibt es bislang keine Angaben. Es sei noch zu früh, um die Frage zu beantworten, ob es sich um eine terroristisch motivierte Tat gehandelt haben könnte. Der mutmaßliche Täter sei noch nicht verhört worden.

Wegen des Vorfalls wurde die Polizei im ganzen Land vorübergehend bewaffnet, wie das Polizeidirektorat mitteilte. Es handele sich um eine Bereitschaftsmaßnahme - vorläufig gebe es keine Hinweise für eine Änderung der Bedrohungslage im Land. Auch der norwegische Geheimdienst PST wurde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.

10 Jahre nach Breivik-Attacke

Die scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte, es seien "grauenvollen" Nachrichten, die das Land aus Kongsberg erhalte. Ihr designierter Nachfolger Jonas Gahr Støre, der am Donnerstag sein Amt antreten soll, sprach von einer "grausamen und brutalen Tat".

Vor etwas mehr als zehn Jahren hatte der Rechtsextremist Anders Behring Breivik eine Bombe im Osloer Regierungsviertel detonieren lassen und dann bei einem Sommerlager der Parteijugend der sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf der Insel Utøya ein Massaker angerichtet. 77 Menschen kamen insgesamt ums Leben. Breivik wurde zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt, dem Maximum, das unter norwegischem Recht möglich ist. Seine Haft kann aber verlängert werden, solange er als Gefahr für die Gesellschaft eingestuft wird.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Oktober 2021 um 21:30 Uhr.