Blick auf ein beschädigtes Gebäude, in dem syrische Binnenvertriebene aus Deir Ezzor in der nord-syrischen Stadt Rakka untergebracht sind. | AFP

EU-Bilanz für 2021 Rund ein Drittel mehr Asylanträge

Stand: 28.06.2022 11:31 Uhr

Infolge von Kriegen und Krisen haben 2021 deutlich mehr Menschen in der EU Asyl beantragt als zuvor - die meisten kamen wieder aus Syrien und Afghanistan. Der Ukraine-Krieg schlägt sich in den Zahlen noch nicht nieder.

Laut Angaben der Europäischen Union sind in dem Staatenverbund 2021 deutlich mehr Asylanträge gestellt worden als im Jahr zuvor. Wie die in Malta ansässige EU-Asylbehörde EUAA mitteilte, gingen in den 27 EU-Staaten plus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz rund 648.000 Gesuche ein. Die Zahl liegt etwa ein Drittel höher als 2020 und etwa auf dem Level von 2018.

Die größte Gruppe mit etwa 117.000 Antragsstellerinnen und -stellern bilden laut EUAA-Jahresbericht weiterhin Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Das Herkunftsland mit den zweitmeisten in der EU gestellten Asylanträgen ist mit 117.000 Afghanistan. Dort lösten der Abzug internationaler Truppen und die Machtübernahme der Taliban im vergangenen August eine Flüchtlingswelle aus.

Meiste Asylanträge in Deutschland gestellt

Rund 23.600 der Asylanträge - und damit zwei Drittel mehr als noch 2020 - stammen laut EUAA von unbegleiteten Minderjährigen. 70 Prozent der Gesuche wurden von Männern gestellt, und die Hälfte aller Bewerber war zwischen 18 und 35 Jahren alt.

Die Behörden in den Mitgliedsstaaten fällten der EU-Agentur zufolge rund 535.000 Entscheidungen in erster Instanz. Etwa jeder dritte Antrag sei angenommen worden. 118.000 Menschen erhielten laut den Angaben den Flüchtlingsstatus und 64.000 Schutz mit Unterstützung, den sogenannten subsidiären Schutz. In Deutschland gingen demnach mit 191.000 die meisten Asylanträge des vergangenen Jahres ein - es folgten Frankreich, Spanien und Italien.

Im laufenden Jahr wirkt sich in Europa die Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine deutlich aus. Jüngsten Zahlen der EUAA zufolge sprachen die EU-Behörden bislang mehr als 3,4 Millionen aus der Ukraine Geflüchteten vorübergehenden Schutz zu. Der Status gewährt den Menschen für ein Jahr eine Aufenthaltserlaubnis. Mit dieser erhalten sie Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildung in den EU-Ländern, ohne ein länger dauerndes Verfahren durchlaufen zu müssen.

Behörde fordert unter anderem bessere Vorbereitung

Die Leiterin der EUAA, Nina Gregori, mahnte eine bessere Vorbereitung auf künftige Flüchtlingskrisen an. Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und die russische Invasion in der Ukraine hätten gezeigt, wie schnell sich Migrations- und Asylmuster ändern könnten, sagte sie bei der Veröffentlichung des Jahresberichts. Wie belastbar nationale Asylsysteme seien, hänge vom Fortschritt bei der Umsetzung des europäischen Migrations- und Asylpakts ab.

Das von der EU-Kommission im September 2020 vorgeschlagene Reformpaket wird noch von den Mitgliedstaaten verhandelt. Flüchtlingshilfeorganisationen wie Pro Asyl kritisierten es als unausgewogen, lückenhaft und zu restriktiv. Auch die EU-Asylbehörde sieht "unzweifelhaft Raum für Verbesserung in zahlreichen Gebieten des Asylbereichs". Dazu zählten der effektive Zugang Schutzsuchender zu EU-Territorium und Asylverfahren, die Lastenteilung der Mitgliedstaaten, die Aufnahmebedingungen und die Rückführung abgelehnter Bewerber.

Offen waren dem EUAA-Bericht zufolge Ende 2021 EU-weit insgesamt 767.000 Asylverfahren - davon 264.000 allein in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juni 2022 um 12:00 Uhr.