Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange hinter einer Folie | dpa

WikiLeaks-Gründer Assange Geburtstag im Gefängnis - und Heiratspläne

Stand: 03.07.2021 15:05 Uhr

Julian Assange gründete WikiLeaks - und wird seitdem von der US-Justiz gejagt. Nach sieben Jahren Botschafts-Asyl sitzt er seit 2019 im Gefängnis. Heute wird er 50 Jahre alt. Und jetzt?

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Julian Assange sitzt seit April 2019 im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Südosten von London. Nach Angaben seiner Anwälte in Einzelhaft, mit nur einer Stunde Freigang pro Tag - wegen der Corona-Pandemie. Mitte Juni durfte er Besuch empfangen: seine Verlobte Stella Morris und die beiden Kinder, denen der Besuch acht Monate lang verwehrt war. Gesundheitlich gehe es ihm nicht gut, sagen seine Anwälte.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Das ist auch der Grund, warum die britische Justiz eine Auslieferung an die USA abgelehnt hat. Sie sei sehr besorgt über die fortdauernde Inhaftierung, sagt Jennifer Robinson, eine von Assanges Anwälten - und sie halte die Inhaftierung auch für unverhältnismäßig.

Wie es für Assange weitergeht, ist derzeit offen. In den USA drohen Assange 175 Jahre Haft. Anwältin Robinson kritisiert die Entscheidung der Justiz vom Januar 2021 - auch wenn Assange erst einmal nicht ausgeliefert wird. Denn: Die britische Richterin habe alle Punkte der US-Staatsanwaltschaft anerkannt. Das bedeutet für sie in der Konsequenz: "Journalisten, die wahre Informationen über die USA veröffentlichten, müssen damit rechnen, an die USA ausgeliefert zu werden", sagte sie.

Auf der Flucht seit 2010

Assange ist seit Jahren kein freier Mann mehr. Im April 2010 veröffentlichte die von ihm gegründete Plattform WikiLeaks ein Video der US-Streitkräfte. Darin ist zu sehen, wie ein Kampfhubschrauber im Juli 2007 in Bagdad einen Angriff auf eine Gruppe Iraker fliegt. Die Männer sind Zivilisten, es sind Kinder dabei. Zahlreiche Menschen sterben.

Später veröffentlichte WikiLeaks Dokumente des US-Militärs zum Krieg in Afghanistan. Assange argumentiert, dass diese Papiere Menschenrechtsverletzungen belegten. Die USA verfolgen Assange. Die schwedische Justiz nahm Ermittlungen gegen ihn auf - wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung. 2012 floh er in die ecuadorianische Botschaft in London.

Julian Assange im August 2012 auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. | dpa

Julian Assange im August 2012 auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. Bild: dpa

Sieben Jahre unter Totalüberwachung

2016 veröffentlichte WikiLeaks E-Mails der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Das FBI wirft Assange vor, WikiLeaks habe die Papiere vom russischen Geheimdienst erhalten. Clintons Konkurrent Donald Trump gewann die Wahlen. 2017 stellte die schwedische Justiz die Ermittlungen ein. Assange äußerte sich dazu auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft:

Das ist ein wichtiger Sieg für mich und die Menschenrechte. Seit sieben Jahren bin ich ohne Urteil eingesperrt, im Gefängnis, im Hausarrest, und seit fünf Jahren hier in der Botschaft ohne Sonnenlicht.

In einem kleinen Zimmer lebt Assange, die Fenster sind mit Karton abgeklebt. Er wird ständig überwacht - zunächst nur über Video, später wird er auch permanent abgehört. In der Presse werden Fotos und Videosequenzen veröffentlicht, auf denen ein verwahrlostes Zimmer zu sehen ist und wie er in einem Zimmer versucht, Skateboard zu fahren oder lange auf und ab geht.

Seine Verlobte Stella Morris berichtet in einem BBC-Interview, wie belastend sie die Überwachung wahrgenommen hat: Als sie schwanger geworden sei, habe sie ihm dies bei einem Besuch auf einem Zettel mitgeteilt, den sie ihm rübergeschoben habe. 

Stella Morris, die Verlobte von Julian Assange, bei einer Kundgebung. | AFP

Stella Morris, die Verlobte von Julian Assange, bei einer Kundgebung. Bild: AFP

Hochzeit im Gefängnis von Belmarsh?

Im April 2019 kündigte Guillermo Lasso, der neue Präsident von Ecuador an, dass das Asyl für Assange nicht mehr vertretbar sei. Daraufhin nahm die britische Polizei Assange fest. Er wird in die Haftanstalt Belmarsh gebracht, wo er seitdem einsitzt.

Morris kündigte jüngst an, dass beide heiraten werden. Wie das im Gefängnis und angesichts der Corona-Restriktionen ablaufen soll, ist noch offen. Assange wird noch so lange im Gefängnis bleiben müssen, bis erneut über eine Auslieferung verhandelt wurde, denn die USA hatten Revision gegen das britische Urteil eingelegt. Nun hoffen Assanges Anhänger, dass der neue US-Präsident Joe Biden einen Ausweg für ihn findet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juli 2021 um 12:18 Uhr.