Eine Schülerin geht auf den Trümmern einer Schule in Tschernihiw (Ukraine), die von russischen Streitkräften bombardiert wurde. | Emilio Morenatti/AP/dpa

Krieg gegen die Ukraine Vier Millionen Kinder in Armut getrieben

Stand: 17.10.2022 08:07 Uhr

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat einer Studie zufolge vier Millionen Kinder in die Armut gestürzt. Nach UN-Angaben ist die Zahl um 19 Prozent gestiegen. Besonders stark betroffen sind Kinder in Russland.

Die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben nach UN-Angaben vier Millionen Kinder in Osteuropa und Zentralasien in die Armut getrieben. "Kinder tragen die größte Last der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges", erklärte die UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF. Durch den Konflikt und die dadurch angeheizte Inflation sei die Zahl armer Kinder in Osteuropa und Zentralasien innerhalb eines Jahres um 19 Prozent gestiegen.

Der UNICEF-Bericht stützt sich auf Daten aus 22 Ländern. Demnach sind die Auswirkungen des Krieges auf Kinder in Russland und der Ukraine besonders stark. Auf Russland entfallen laut Bericht drei Viertel des Zuwachses an in Armut lebenden Kindern, dort stieg die Zahl armutsbetroffener Kinder durch die Kriegsfolgen um 2,8 Millionen. In der Ukraine stieg die Zahl armer Kinder wegen des Krieges laut UNICEF um eine halbe Million. An dritter Stelle liegt Rumänien, wo die Zahl von in Armut lebenden Kindern um 110.000 stieg.

Wenig Geld bleibt für Gesundheit und Bildung

"Kinder in der gesamten Region werden in die schrecklichen Auswirkungen dieses Krieges hineingezogen", erklärte UNICEF-Regionaldirektor Afshan Khan. Sollten die betroffenen Kinder und deren Familien nicht rasch Hilfe bekommen, "wird der steile Anstieg der Kinderarmut nahezu sicher verlorene Leben, verlorenes Lernen und verlorene Zukunft bedeuten".

Je ärmer eine Familie sei, desto größer sei der Anteil ihres Einkommens, der für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel und Brennstoffe ausgegeben werde, hieß es in der Studie weiter. Wenn die Kosten für diese Güter stark stiegen, bliebe weniger Geld übrig für andere Bedürfnisse wie Gesundheitsversorgung und Bildung.

4500 Kinder könnten frühzeitig sterben

Für viele bleibe die Armut in der Kindheit ein Leben lang bestehen. Eines von drei Kindern, die in Armut geboren und aufgewachsen seien, würden auch als Erwachsener in Armut leben. Das führe zu einem generationenübergreifenden Kreislauf von Not und Benachteiligung. In Armut lebende Kinder seien zudem häufiger von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch bedroht.

Der Anstieg der Kinderarmut könne allein in diesem Jahr dazu führen, dass zusätzlich 4500 Kinder vor Erreichen des ersten Lebensjahres sterben und 117.000 Kinder die Schule vorzeitig abbrechen, warnte die UN-Kinderhilfsorganisation.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2022 um 13:00 Uhr.