Dirigent Riccardo Muti in der Arena di Verona. | dpa

Opernfest in Verona startet Ein Symbol des Neubeginns

Stand: 19.06.2021 11:24 Uhr

Viel Prominenz, viele Neuerungen und jede Menge Symbolik: Die Opernfestspiele in Verona wagen den Neustart nach pandemiebedingter Pause - mit Zuschauern und in einem besonders prächtigen Rahmen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die Vorfreude der Verantwortlichen in Verona funkelt in den Augen von Cecilia Gasdia. Endlich wieder, sagt die Oberintendantin mit Blick auf die bevorstehende Premiere, könne die Arena ihre Tore öffnen. "Das ist keine Saison wie jede andere. Diese Ausgabe der Opernfestspiele haben wir erträumt und können sie jetzt endlich realisieren. Nach dem schrecklichen Dunkel der Pandemie feiert die Arena ihre Wiedergeburt in ihrer umfassend möglichen Form."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Dabei sind prominente Namen: Anna Netrebko, Roberto Bolle, Plácido Domingo und - erstmals - Jonas Kaufmann werden auftreten. Die Premiere liegt in den Händen des derzeit erfolgreichsten italienischen Dirigenten. Riccardo Muti kehrt nach 41 Jahren nach Verona zurück und dirigiert zum Auftakt die Aida in Konzertform.

6000 Zuschauer pro Vorstellung

"Die Premiere mit Maestro Muti ist für uns ein ganz besonderes Ereignis - dass er nach so vielen Jahren wieder in der Arena ist, um hier den 150. Geburtstag der Uraufführung der Aida zu feiern. Insgesamt wird es eine unglaubliche Saison werden", verspricht Veronas Bürgermeister Federico Sboarina, der auch Präsident der Arena-Stiftung ist.

6000 Zuschauer sind für jede der 42 Vorstellungen der Opernfestspiele in diesem Sommer zugelassen. Damit kann, nach der pandemiebedingten Absage im vergangenen Jahr, das größte noch erhaltene antike Freilufttheater der Welt fast die Hälfte seiner Kapazität nutzen.

Nur neue Aufführungen

Den Wiederbeginn der Oper in Verona wollen die Verantwortlichen als ein Symbol des Neustarts des italienischen Kulturbetriebes und des ganzen Landes inszenieren. Auf dem Programm stehen nach den zwei Konzertabenden mit Muti die Cavalleria rusticana und Pagliacci, Aida, Nabucco, La Traviata und Turandot.

Alles neu inszeniert, betont der stellvertretende künstlerische Leiter Stefano Trespidi: "Wir haben sechs neue Bühnenbilder, auch mit neuen Kostümen. Das Produktionsmodell der Arena sah seit 2002 vor, dass es im Programm eine neue Produktion und vier, fünf Wiederaufführungen gibt. In diesem Jahr werden wir nur neue Aufführungen sehen und das ist eine große Herausforderung."

Vorbereitung während der dritten Welle

Die Herausforderung ist vor allem der Pandemie geschuldet. Als im Februar das Programm festgelegt wurde, befand sich Italien in der dritten Covid-Welle. Aufwändige Bühnenbilder mit dem Einsatz vieler Menschen hinter den Kulissen schienen nicht möglich.

Daher wird sich die Oper in diesem Jahr so präsentieren, wie sie noch nie zu sehen war. Trespidi meint:"Es ist ein anderer Teil, warum wir in diesem Jahr Geschichte schreiben. Es wird eine LED-Wand von fast 400 Quadratmetern geben, also einen massiven Einsatz von Technologie. In der Arena ist man immer davon ausgegangen, dass die Aufführungen etwas traditioneller sein müssen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, die uns die Geschichte bietet, um jetzt also einen Sprung nach vorne zu machen."

Für die Projektionen auf der LED-Wand und die Lichtinszenierung auf dem Rest der Bühne zeichnet D-Wok verantwortlich - eine Gruppe von Lichtdesignern, die bereits zahlreiche Opernaufführungen gestaltet hat, zuletzt auch an der Scala.

Neustart in restauriertem Theater

Alle sechs Opern dieses Sommers in Verona sind in Zusammenarbeit mit führenden italienischen Museen realisiert worden, passend zum Thema der jeweilige Werke. In die Bühneninszenierung der Aida beispielsweise ist das Ägyptische Museum Turin eingebunden, für Nabucco das Museum für das Judentum in Ferrara, bei Turandot das Museum für chinesische Kunst in Parma. Dies, sagt Oberintendantin Gasdia, solle die Botschaft verstärken, dass es in der Arena um einen Neustart der Kultur in Italien generell geht.

Ein Neustart, der sich in außergewöhnlich schönem Rahmen vollzieht. Die Pause während der Pandemie ist in Verona genutzt worden, um die Arena für 14 Millionen Euro zu restaurieren. Das antike Theater präsentiert sich so prachtvoll wie seit Jahren nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juni 2021 um 05:49 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".