Antony Blinken (r.), Außenminister der USA, und Luigi Di Maio, Außenminister von Italien | dpa

Terrorbekämpfung Anti-IS-Koalition nimmt Afrika in den Blick

Stand: 28.06.2021 17:39 Uhr

Im Irak und in Syrien ist der "Islamische Staat" zurückgedrängt worden, in Teilen Afrikas verzeichnet er aber Zulauf. Die USA und Italien fordern deswegen mehr Engagement gegen die Terrormiliz.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Seit 2014 gibt es diese Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Deren Vertreter verwiesen bei ihrem Treffen in Rom zunächst einmal auf die Erfolge. Der IS beherrscht keine Territorien mehr, keine Städte, weder im Irak noch in Syrien. Acht Millionen Menschen wurden von dem Terrorregime der Milizen befreit.

Tilmann Kleinjung

Doch die Gefahr bleibt, darin sind sich alle einig. Im Irak und in Syrien operiert der IS weiter im Untergrund. In Afrika, vor allem in der Sahelzone, aber auch in Mosambik, schließen sich immer mehr radikal-islamische Gruppen dem Terrornetzwerk an.

Italiens Außenminister Luigi di Maio sagt dazu: "In diesen Ländern und Gemeinschaften ist unsere Hilfe gefragt. Viele Dörfer sind in der Hand der Terrororganisationen. Und wie groß diese Territorien sind, davon haben wir oft keine Vorstellungen."

Ob auch das Selbstmordattentat auf eine Bundeswehrpatrouille im westafrikanischen Mali auf das Konto des IS geht, ist nicht bekannt. 13 UN-Soldaten wurden verletzt, zwölf Deutsche und ein Belgier.

Bundesaußenminister Heiko Maas dazu: "Erst einmal bin ich froh, dass alle verletzten Soldatinnen und Soldaten in Deutschland sind. Und dort gut behandelt werden. Das ist ein schrecklicher Anschlag gewesen, der noch einmal deutlich gemacht hat, dass der Einsatz in Mali wohl der gefährlichste ist, an dem die Bundeswehr beteiligt ist."

Maas gegen Abzug aus Mali

Für Maas ist dieser Anschlag ein weiteres Indiz dafür, dass diese Region zu einer Drehscheibe des internationalen Terrorismus werden könnte. Deshalb ist er gegen einen Abzug der Bundeswehr aus Mali: "Wir werden auch dort weiter stabilisieren müssen, um diesen Regionen auch eine Entwicklungsperspektive zu geben. Alles andere wird dazu führen, dass der IS die Not der Menschen ausnutzen wird", so Maas.

"Und dazu darf es nicht kommen. Wir brauchen einen etwas breiteren Ansatz. Insbesondere die Sahel-Region, Mosambik und andere Nachbarstaaten - mit denen werden wir noch enger zusammenarbeiten müssen."

Wenig konkrete Vorschläge

Dieses Engagement ist im ureigensten Interesse vor allem der europäischen Staaten. So sieht es Italiens Außenminister di Maio. Die Milizen drohten eine ohnehin schon fragile Region weiter zu destabilisieren. Davon profitierten Waffen- und Menschenhändler. Wie die Anti-IS-Koalition die afrikanischen Staaten im Kampf gegen die Dschihadisten unterstützen will, dazu findet sich wenig Konkretes im Abschlussdokument des Treffens. Immerhin wurden weitere afrikanische Staaten in die Koalition aufgenommen.

Einen offenen Konflikt gab es in Rom allerdings auch. US-Außenminister Antony Blinken hat die Verbündeten aufgefordert, in Syrien inhaftierte, ausländische Kämpfer des IS zurückzunehmen. Vor allem in den Gefängnissen der syrischen Kurden befinden sich noch Tausende ausländische Dschihadisten.

"Ausländische Kämpfer müssen repatriiert, gerichtlich belangt und reintegriert werden, wenn immer das möglich ist. Das ist wirklich dringend", so Blinken.  

Die USA wollen da mit gutem Beispiel vorangehen. Blinken erwähnte ausdrücklich lobend auch Italien und die Balkanstaaten. Die meisten europäischen Länder wehren sich allerdings dagegen, insbesondere ihre erwachsenen Staatsangehörigen aus den Gefangenenlagern zurückzuholen.

Über dieses Thema berichtete am 28. Juni 2021 die tagesschau um 17:00 Uhr und NDR Info um 17:48 Uhr.