Blumen an einer Gedenkstätte und einer Kondolenzwand für den britischen Abgeordneten David Amess. | REUTERS

Attentat auf Abgeordneten Anklage im Mordfall Amess erhoben

Stand: 21.10.2021 15:51 Uhr

Gegen den Verdächtigen im Fall des getöteten britischen Abgeordneten Amess ist Anklage erhoben worden: Dem 25-jährigen Briten somalischer Herkunft wird Mord und Planung terroristischer Handlungen vorgeworfen.

Nach dem tödlichen Attentat auf den britischen Tory-Abgeordneten David Amess hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den 25-jährigen Verdächtigen erhoben. Er müsse sich zudem wegen Vorbereitung einer terroristischen Tat verantworten, teilte der Crown Prosecution Service mit. Der mutmaßliche Mord habe einen terroristischen Hintergrund mit religiösen und ideologischen Motiven gehabt, hieß es weiter. Erste Untersuchungen hätten "eine mögliche Motivation in Verbindung zu islamistischem Extremismus" ergeben. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus.

Während des Lockdowns radikalisiert

Der 69 Jahre alte konservative Parlamentarier Amess war am Freitag vergangener Woche während einer Bürgersprechstunde in seinem Wahlkreis in der südostenglischen Grafschaft Essex erstochen worden. Der Angeklagte wurde noch am Tatort festgenommen.

Der mutmaßliche Täter soll Berichten zufolge früher ein Präventionsprogramm der Regierung gegen Radikalisierung besucht haben. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn demnach aber nicht als potenziellen Gefährder auf dem Schirm. Er soll sich während des Corona-Lockdowns selbst radikalisiert haben. Der Vater des Angeklagten war demnach ein hochrangiger Berater der somalischen Regierung, sein Onkel soll Botschafter des ostafrikanischen Landes in China sein.

Sicherheitsvorkehrungen verschärft

Nach der Tat hatte Innenministerin Priti Patel angeordnet, die Sicherheitsvorkehrungen für Parlamentarier zu überprüfen und zu verschärfen.

Der Anschlag war der zweite Mord an einem britischen Politiker während eines Treffens mit Wählern innerhalb von fünf Jahren. 2016 war die Labour-Abgeordnete Jo Cox im Vorfeld des Brexit-Referendums von einem Rechtsextremen erstochen worden.

Der Brexit-Befürworter und Tierschützer Amess hatte seit 1983 im britischen Unterhaus gesessen. Der 69-Jährige setzte sich im Parlament vehement für die Belange seiner Wähler ein.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 21. Oktober 2021 um 14:30 Uhr in den Nachrichten.