Dampf steigt aus den Kühltürmen des Kernkraftwerks von Electricite de France (EDF) in Belleville-sur-Loire, Frankreich, auf. | REUTERS

Verzögerte AKW-Wartungen Sorge um Stromversorgung in Frankreich

Stand: 18.11.2022 18:04 Uhr

Weil die Wartung vieler Atomkraftwerke in Frankreich andauert, steigt das Risiko von Engpässen im Land. Die Menge von Atomstrom liege deutlich unter der einstigen Prognose, teilte Netzbetreiber RTE mit.

Frankreichs Stromnetzbetreiber RTE sieht eine gesteigerte Gefahr von Versorgungsengpässen im bevorstehenden Winter, weil sich die Wartung etlicher Atomkraftwerke in die Länge zieht. Die Menge an verfügbarem Atomstrom werde ab Mitte Dezember bis Mitte Februar deutlich unter der Prognose liegen und zu einem erhöhten Risiko von Engpässen führen, teilte der Netzbetreiber mit.

Für Verzögerungen hatten jüngst wochenlange Streiks des Kraftwerkpersonals gesorgt. Außerdem hatte der Energiekonzern EDF Anfang November mitgeteilt, dass vier Kraftwerke zur Kontrolle und Reparatur von Korrosionsproblemen länger vom Netz bleiben als vorgesehen. Insgesamt wurden an 15 Reaktoren derartige Schäden entdeckt. Da man aber nicht genug Fachkräfte hat, mussten zuletzt 100 Schweißer aus Amerika eingeflogen werden, um diese Schäden zu beheben.

Das Ergebnis: Die erneute Inbetriebnahme der Meiler läuft nicht wie geplant. Die Regierung schließt deshalb nicht aus, dass es im Januar zu geplanten Stromabschaltungen kommen kann.

Erhöhtes Risiko insbesondere im Januar

Zwar wird über den Winter mit einem um fünf bis sieben Prozent geringeren Stromverbrauch gerechnet, vor allem wegen geringerer Nachfrage der Industrie. Im Kern des Winters könne der Rückgang des Industrieverbrauchs die nach unten korrigierte Atomstromproduktion aber nicht mehr kompensieren, erklärte RTE nach seiner aktualisierten Analyse. Insbesondere im Januar gebe es ein erhöhtes Risiko von Engpässen, selbst bei einer nur moderaten Kältewelle.

Wenn das Stromsystem sehr angespannt sei, könne auch das Risiko eines Stromausfalls nicht völlig ausgeschlossen werden, hieß es weiter. Er könnte jedoch vermieden werden, indem die Bevölkerung den nationalen Verbrauch in den meisten Fällen um ein bis fünf Prozent und in den extremsten Wetterlagen um bis zu 15 Prozent senke. Ab Ende Februar werde sich die Lage voraussichtlich entspannen, abhängig davon, wie viele der Atomkraftwerke dann tatsächlich wieder am Netz sind.

26 der 56 französischen Atomkraftwerke sind derzeit für Wartungen und Reparaturen vom Netz, das Wiederanlaufen etlicher Meiler wird in den kommenden Wochen erwartet. Wegen befürchteter Engpässe hat Frankreich Stromlieferungen aus Deutschland vereinbart und liefert im Gegenzug Erdgas nach Deutschland.

Mit Informationen von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. September 2022 um 11:45 Uhr.