Ursula von der Leyen (l), Präsidentin der EU-Kommission, spricht im Rahmen des EU-Afrika-Gipfel während einer Pressekonferenz.  | dpa

Bilanz des EU-Afrika-Gipfels EU will engere Partnerschaft mit Afrika

Stand: 18.02.2022 18:57 Uhr

450 Millionen Dosen sowie Technologie zur Herstellung von Corona-Impfstoffen und Gelder für den Infrastrukturausbau: Beim sechsten EU-Afrika-Gipfel bekräftigte die EU ihre Unterstützung für Afrika.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Die Europäische Union will Afrika im Kampf gegen die Pandemie stärker unterstützen und die Zusammenarbeit mit den Ländern des Kontinents vertiefen - zum beiderseitigen Nutzen.

Jakob Mayr ARD-Studio Brüssel

Der sechste EU-Afrika-Gipfel fand zwar coronabedingt mit jahrelanger Verspätung statt - für Macky Sall, Präsident des Senegal und Vorsitzender der Afrikanischen Union, bot das Treffen trotzdem die "historische Gelegenheit, die Partnerschaft zu erneuern".

Wie Bundeskanzler Olaf Scholz zum Abschluss des Gipfels erklärte, gilt das für die Bereiche Klimaschutz, Gesundheit, Frieden und Sicherheit. "Europa und Afrika können die großen Fragen unserer Zeit nur gemeinsam beantworten", sagte Scholz.

Bis zum Sommer will die EU 450 Millionen Dosen Corona-Impfstoff nach Afrika liefern. Bisher sind es rund 150 Millionen. In Afrika sind erst rund elf Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, in der EU über 70 Prozent.

Technologie für Impfstoffe

Außerdem bekommen sechs afrikanische Länder die Technologie, um selbst mRNA-Vakzine herzustellen - unter ihnen Ägypten, Nigeria, Senegal,  Tunesien und Kenia. Der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta betonte: "Das ist wirklich ein Beweis, welches Kaliber Wissenschaftler in unseren Institutionen in unserer Region und auf dem ganzen Kontinent haben."

Auch Südafrika ist beteiligt. Dessen Präsident Cyril Ramaphosa verlangte aber noch einmal, den Patentschutz für Corona-Impfstoffe aufzuheben: "Es geht um das Leben von Hunderten Millionen Menschen, nicht um die Gewinne einiger Konzerne. Es geht nicht, dass Afrika immer ganz am Schluss kommt beim Zugang zu Medikamenten", sagte er. 

Die EU lehnt die Patentfreigabe weiter ab und bevorzugt stattdessen individuelle Vereinbarungen mit Unternehmen, die ihr Know-how weitergeben. 

EU unterstützt bei Infrastruktur-Ausbau

Einig sind sich beide Seiten darin, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auszubauen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erneuerte das Versprechen, in den kommenden sieben Jahren 150 Milliarden Euro aufzubringen, um in Afrika Straßen, Bahnlinien und Internetverbindungen auszubauen und Anlagen für Sonnen- und Windenergie zu errichten.

Etwa die Hälfte der Summe sind Zuschüsse und Kredite, der Rest soll von den EU-Mitgliedsstaaten kommen und aus der Privatwirtschaft. "Die EU will Afrikas bevorzugter Partner sein - das ist im Grund das Ergebnis des Gipfels, und dafür braucht es wirklich eine stärkere Partnerschaft", so von der Leyen.

Die Finanzzusage ist Teil der europäischen Global Gateway-Initiative mit dem Ziel, den chinesischen Einfluss in Afrika zurückzudrängen.

Macron: Wollen bevorzugter Partner sein

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sichert dem Kontinent umfassende Unterstützung zu: "Die EU ist ganz klar dazu bestimmt und will auch Afrikas bevorzugter Partner sein für die Finanzierung seiner Infrastruktur beim grünen Wandel, in der Industrie und auch wenn es um die Qualität der Investitionen geht, etwa in puncto Nachhaltigkeit", so Macron.

Auch im Kampf gegen den Terror will die EU afrikanischen Staaten nach Macrons Worten weiter beistehen. Frankreich zieht zwar seine Kampftruppen aus Mali ab. Europa wolle aber Ausbildung und Ausrüstung finanzieren, um Afrika zu helfen, eigene Kräfte zu mobilisieren, sagte Macron.

Dieser Beitrag lief am 18. Februar 2022 um 17:11 Uhr auf MDR Aktuell.