Eine Frau arbeitet in einem Labor des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. | picture alliance/dpa/Bundeswehr

Affenpocken-Fall in München Patient leidet an milderer Variante

Stand: 21.05.2022 13:36 Uhr

Er ist der erste Affenpocken-Patient in Deutschland: Ein 26-Jähriger wird in einer Münchner Klinik behandelt. Jetzt hat eine Genomanalyse ergeben, dass er die mildere Virusvariante hat. Laut einem Bericht gibt es auch in Berlin einen Fall.

Bei dem ersten in Deutschland nachgewiesenen Fall von Affenpocken leidet der Patient an der milderen westafrikanischen der zwei bekannten Virusvarianten. Das habe die Genomanalyse des Erregers am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ergeben, teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit. Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung werde vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit als gering erachtet.

Der aus Brasilien stammende Münchner Patient ist laut Robert Koch-Institut (RKI) der erste Affenpocken-Fall in Deutschland. Die häufiger zu schweren Erkrankungen führende zentralafrikanische Virusvariante ist bei den derzeit in Europa bekannt gewordenen Fällen bislang nicht beobachtet worden. Der 26 Jahre alte Mann hatte sich selbstständig zur medizinischen Untersuchung begeben. Er wird im Schwabinger Klinikum in einem isolierten Zimmer behandelt. Vor seinem Aufenthalt in München hatte er bereits Düsseldorf und Frankfurt am Main bereist.

Meist nur milde Symptome

Infektionen mit dem Affenpocken-Virus werden aus immer mehr Ländern gemeldet. Zu ihnen zählen neben Deutschland auch Großbritannien, Spanien, Frankreich, Schweden, Australien und die USA. Die ursprünglich in Zentral- und Westafrika verbreitete Krankheit kann Symptome wie Fieber, starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten und häufig auch Lymphknotenschwellungen hevorrufen. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper übergreifender Ausschlag. Selten treten Erblindung und entstellende Narben als Dauerschäden auf.

Gesundheitsbehörden zufolge verursacht das Virus meist nur milde Symptome, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. In Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Übertragen wird das Virus vor allem über direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien, auch eine - wohl sehr seltene - Übertragung über Tröpfchen in der Luft ist auf kürzere Distanzen möglich.

Hinweise auf mögliche Kontaktpersonen in NRW

Das Landesgesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen teilte mit, ihm lägen Hinweise "auf mögliche Kontakte von Personen mit dem Affenpockenvirus vor. Diesen Hinweisen werde nachgegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Nachrichtenagentur dpa. Das Landeszentrum für Gesundheit stehe in engem Austausch mit dem Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger.

"Die Situation wird genau beobachtet. Die Ärzte sowie die Gesundheitsämter werden um verstärkte Wachsamkeit gebeten", so der Ministeriumssprecher. Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland werde nach derzeitigen Erkenntnissen des RKI als gering eingeschätzt.

Auswirkungen auf Gesundheitsversorgung befürchtet

In Großbritannien, das bereits 20 bestätigte Affenpocken-Fälle meldet, äußerten sich Mediziner unterdessen besorgt über mögliche Auswirkungen auf die ärztliche Versorgung im Land. Insbesondere die Behandlung von Geschlechtskrankheiten sowie Kinderwunschbehandlungen könnten beeinträchtigt werden. Denn Ärzte und Pfleger, die mit Infizierten in Kontakt kommen, müssten sich isolieren, sagte Claire Dewsnap, Chefin des Fachverbands British Association for Sexual Health and HIV, dem britischen Rundfunk BBC.

In London würden Kliniken deshalb keine "Walk-in-Behandlung" mehr anbieten, berichtete der Sender: Patienten müssten also vorab anrufen und ihre Symptome schildern, bevor sie einen Termin erhalten. Einige Mitarbeiter hätten bereits eine Pockenimpfung erhalten. Auch wenn der Impfstoff nicht speziell auf das Affenpocken-Virus zugeschnitten ist, soll er einen gewissen Schutz bieten - vor allem gegen schwerere Erkrankungen.

Dewsnap sagte, die Infektionen würden den Druck auf das ohnehin schwer belastete Personal noch erhöhen. "In Hinsicht auf Infektionen und Konsequenzen für Betroffene bin ich nicht besorgt", sagte die Verbandschefin. "Aber ich bin besorgt um unsere Möglichkeit, gute Dienste für sexuelle Gesundheit sowie Zugang für alle aufrechtzuerhalten und gleichzeitig diese neue Infektion zu bewältigen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Mai 2022 um 02:51 Uhr.