Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" verteilen 2019 Lebensmittel in Mosambik | dpa

50 Jahre "Ärzte ohne Grenzen" Helfen, wo die Not am größten ist

Stand: 21.12.2021 12:28 Uhr

Wo immer Kriege oder Katastrophen über die Menschen hereinbrechen, sind auch die "Ärzte ohne Grenzen" vor Ort, und das seit 50 Jahren. Doch die Helfer sind nicht immer willkommen, manchmal werden sie selbst zur Zielscheibe.

Von Linda Schildbach, ARD-Studio Paris

Als im Oktober 1999 die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" für ihre bahnbrechende humanitäre Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird, würdigt Frankreichs damaliger Präsident Jacques Chirac die Mitarbeiter als "Menschen, die in gewisser Weise den Fortschritt des universellen Bewusstseins verkörpern".

13 Ärzte und Journalisten hatten die "Medicins sans frontier" (MSF) im Dezember 1979 in Paris gegründet. Es waren auch ihre Erfahrungen aus dem Biafra-Krieg in Nigeria - der Frust, als Ärzte nicht mehr tun zu können -, die die Gründer dazu brachten, "Ärzte ohne Grenzen" ins Leben zu rufen. Und der Wunsch, das Schweigen zu brechen, über Einsätze zu reden und die Nothilfe besser zu organisieren.

Bernard Kouchner war damals mit dabei. Die Gründung der Organisation, die er gleichermaßen ein "Abenteuer" und ein "Epos" nennt, sei eine "medizinische Angelegenheit" gewesen. Es sei darum gegangen, zu verstehen, "dass die Medizin nicht nur reichen Leuten vorbehalten war, nicht nur den typischen, sozial anerkannten Opfern". Sondern dass es medizinische Hilfe für alle geben müsse, ungeachtet ihrer Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugungen.

Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" hilft 1985 in Afghanistan einem Patienten. | dpa

Schon im Afghanistan-Krieg in den 1980-er Jahren waren "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz - in dem Land versucht die Organisation noch heute zu helfen. Bild: dpa

Einsatz in allen großen Krisen

50 Jahre später ist aus dem kleinen französischen Projekt eine der weltweit bedeutendsten medizinischen Hilfsorganisationen geworden, mit etwa 64.000 Beschäftigten in 88 Ländern und Einsätzen in fast allen großen Krisen unserer Zeit - ob damals in Kambodscha, dem Völkermord in Ruanda, beim Bosnienkrieg oder bei Ebola-Ausbrüchen, der Corona-Pandemie sowie Naturkatastrophen.

Der größte Erfolg von Ärzte ohne Grenzen? Da fallen dem Präsidenten von MSF Frankreich einige ein, vor allem aber der Einsatz 2005 nach dem Erdbeben in Pakistan. Damals habe "Ärzte ohne Grenzen" zum ersten Mal aufblasbare OP-Zelte eingesetzt, um Unfallchirurgie zu leisten. Das, sagt Mégo Terzian, sei sicher einer der wichtigsten Einsätze von ihm und seinen Kollegen gewesen.

Neben den vielen Erfolgen gab es aber auch Rückschläge. So habe es "Ärzte ohne Grenzen" zuletzt nicht geschafft, humanitäre Hilfe im Norden von Äthiopien einzurichten, sagt Terzian. Zwar sei die Organisation zu Beginn des Krieges dort stark präsent gewesen. Nachdem jedoch drei Mitarbeiter ermordet wurden, habe man sich zurückziehen müssen. Eine "absolute Niederlage" sei das, findet Terzian.

Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" retten im Mittelmeer vor Libyen ein Baby | dpa

Heute sind die "Ärzte ohne Grenzen" auch auf dem Mittelmeer im Einsatz - hier retten sie ein Baby vor der Küste von Libyen. Bild: dpa

Die Einsatzgebiete ändern sich

Nach einem halben Jahrhundert haben sich nicht nur die Logistik und Methoden von "Ärzte ohne Grenzen" verändert. Auch die Einsatzgebiete sind andere, etwa auf den Flüchtlingsrouten in Europa, an der polnischen-belarusischen Grenze, auf Lesbos oder im Mittelmeer.

Gleichzeitig sei der Sicherheitskontext heute ein anderer als damals, und die engagierten Ärzte werden zu Zielscheiben von Terrorangriffen, berichtet Terzian. Die Organisation selbst habe sich aber nicht verändert: "Das Engagement, die Motivation, die Zielstrebigkeit der jungen Leute, die sich uns anschließen, das wird immer unsere Stärke bleiben."

50 Jahre Ärzte ohne Grenzen - das sind auch 50 Jahre Einsatz für die Menschlichkeit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Dezember 2021 um 06:40 Uhr.