Roman Abramowitsch | REUTERS

Symptome nach Ukraine-Gesprächen Zweifel an angeblicher Abramowitsch-Vergiftung

Stand: 28.03.2022 20:48 Uhr

Der russische Oligarch Abramowitsch vermittelt offenbar zwischen der Ukraine und Russland. Nach einer Verhandlungsrunde sollen bei ihm und zwei Ukrainern Vergiftungssymptome aufgetreten sein. Die ukrainische Seite weist das zurück.

Kurz vor der neuen Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul sind Berichte aufgetaucht, wonach der russische Oligarch Roman Abramowitsch und zwei ukrainische Unterhändler möglicherweise Ziel eines Giftanschlags geworden seien sollen. Dies berichtet unter anderem das "Wall Street Journal".

Abramowitsch vermittelt demnach derzeit zwischen den Konfliktparteien. Nach einem Treffen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew hätten der Milliardär und zwei Mitglieder des ukrainischen Verhandlungsteams "Symptome einer mutmaßlichen Vergiftung" aufgewiesen, so das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise.

Ein Sprecher von Abramowitsch bestätigte diesen Bericht zwar gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zeitgleich wiesen in der Ukraine aber Verhandlungsteilnehmer Berichte über eine Vergiftung zurück. Alle Mitglieder der Verhandlungsgruppen würden normal arbeiten, sagte der ukrainische Unterhändler Mychajlo Podoljak örtlichen Medien zufolge. "Im Informationsbereich gibt es gerade viele Spekulationen, unterschiedliche Verschwörungsversionen und Elemente des einen oder anderen Informationsspiels."

Unklare Hintergründe

Laut "Wall Street Journal" sollen drei Männer unter geröteten Augen, schmerzhaftem Tränenfluss und sich ablösender Haut an Gesicht und Händen gelitten haben. Die Symptome hätten sich dann aber wieder verbessert.

Die Quellen des "Wall Street Journal" verdächtigen der Zeitung zufolge Hardliner in Moskau, hinter dem Vorfall zu stehen. Diese wollten demnach die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine für ein Ende des Ukraine-Kriegs sabotieren.

Ein Vertrauter Abramowitschs sagte dem "Wall Street Journal" aber, es sei unklar, wer hinter dem Vorfall stehen könnte. Außerdem hätten westliche Experten keine Erklärung für die Symptome liefern können.

Die Nachrichtenagentur Reuters verweist auf Geheimdienstinformationen, die "mit großer Wahrscheinlichkeit" darauf hindeuteten, dass es sich um Umwelteinflüsse gehandelt habe und nicht um eine Vergiftung. Details wollte der US-Vertreter demnach nicht nennen.

Abramowitsch vermittelt offenbar

Abramowitsch reist übereinstimmenden Medienberichten zufolge derzeit zwischen Russland und der Ukraine hin und her und versucht, in dem Konflikt zu vermitteln.

Der Milliardär mit guten Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin war nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von der EU und Großbritannien mit Sanktionen belegt worden - nicht aber von den USA.

Das "Wall Street Journal" berichtete in der vergangenen Woche, der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj habe US-Präsident Joe Biden gebeten, den als Besitzer des englischen Fußballclubs Chelsea bekannten Oligarchen von den Sanktionen auszunehmen, weil er eine wichtige Vermittlerrolle einnehmen könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2022 um 21:00 Uhr.