Impfwillige stehen vor einem Impfbus in Wien-Döbling | dpa

2G in Österreich Das Ende der "Wurschtigkeit"?

Stand: 08.11.2021 00:42 Uhr

Kaum sind die neuen Corona-Regeln in Österreich in Kraft, schon zeigen sie Wirkung: Zehntausende standen am Wochenende Schlange für den Piks, der mehr Freiheit gewährt. Denn ab heute gelten strengere Regeln für Ungeimpfte.

Von Wolfgang Vichtl, ARD-Hörfunkstudio Wien

Noch schnell zum Impfen, bevor strengere Regeln gelten. Bevor es für Ungeimpfte vorbei ist mit Wiener Schnitzel und Haareschneiden. Tausende Österreicher standen am Wochenende Schlange vor den Impf-Stationen, nahmen sogar langes Warten in Kauf, für den wichtigen Stich gegen Corona. Mehr als 30.000 allein am Samstag, mehr 10.000 davon für den sogenannten "ersten Stich". Die klaren Ansagen der österreichischen Regierung haben bei manchen die Widerstandskräfte gegen die Corona-Impfung offenbar schlicht zermürbt.

Wolfgang Vichtl ARD-Studio Wien

Österreichs Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein freut sich nun über den "Booster", der die Impfquote in Österreich, bisher magere 63 Prozent, nach oben treiben soll. Stolz lässt er die Zahlen verbreiten, am Tag davor hob er noch den Zeigefinger: "Die 3G-Regelung wird zu 2G. Hören wir auf mit dieser augenzwinkernden Wurschtigkeit. Es ist ernst."

Schonfrist von vier Wochen

"2G" statt "3G" heißt: Ungeimpfte dürfen nicht mehr ins Restaurant, nicht mehr zum Friseur, nicht mehr ins Theater, ins Kino, auf keine Veranstaltung, bei der mehr als 25 Personen zusammenkommen. Sie dürfen auch nicht mehr zu Besuch ins Krankenhaus oder Altenheim. Ein negativer Corona-Test als Eintrittskarte gilt nicht mehr. Nur während einer Schonfrist von vier Wochen kommt man mit dem Nachweis der Erst-Impfung und mit einem frischen PCR-Test noch durch.

Am Arbeitsplatz bleibt es dagegen noch bei "3G", also: geimpft, genesen oder regelmäßig getestet. Wobei die Zeit der sogenannten "Wohnzimmer"-Tests, der schnellen Antigen-Test insgesamt abläuft.

Österreich hat damit die Notbremse gezogen, nachdem sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen der 10.000-Marke genähert hat und die Sieben-Tage-Inzidenz knapp die 700 erreicht. Außerdem liegen immer mehr ungeimpfte Corona-Kranke auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Das war der Zeitpunkt, bei einem Corona-Gipfel im Kanzleramt am Freitagabend, klare und schärfere Regeln zu vereinbaren, österreichweit. Bundeskanzler Alexander Schallenberg sagt, worum es geht, diplomatisch nur im Ton: "Wir werden daher die Zügel für die Ungeimpften straffer ziehen müssen. Es ist schlicht und ergreifend aber unsere Verantwortung, die Menschen in unserem Land zu schützen. Das ganze dient als Anreiz. Als starker Anreiz, dass Menschen zum impfen gehen.

Kein Maßnahmen-Flickenteppich mehr

Diesmal zogen ausnahmslos auch alle Bundesländer mit. Einige waren schon vorgeprescht, wie das Land Wien. Andere zögerten, weil sie eine bessere Impfquote als im Schnitt vorweisen konnten. Ein "Flickenteppich" an Regeln wurde beklagt. Das ist vorbei, für den Moment. Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter, in seiner Verantwortung lag der Corona-Hot Spot Ischgl, sieht keine Alternativen: "Und deshalb ist es aber schon klar, dass diese Maßnahmen dringend notwendig sind. Sie sind alternativlos."

Ergänzt wird die schärfere Gangart gegenüber Ungeimpften durch das flächendeckende Angebot der Drittimpfung. Dringend empfohlen für alle, deren zweite Impfung länger als sechs Monate zurückliegt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. November 2021 um 07:20 Uhr.