BBC-Logo auf einem alten Mikrofon | picture alliance / Photoshot

Jubiläum der BBC "Ein nationaler Schatz" wird 100

Stand: 18.10.2022 10:35 Uhr

Am Anfang ging es um eine Geschäftsidee, doch schon bald stand etwas im Fokus, was heute aktueller denn je ist: Die BBC sollte die Briten vor Falschinformationen schützen. Heute wird sie 100 - und muss um ihre Zukunft bangen.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London 

Am Anfang der BBC-Geschichte stand eine Geschäftsidee: Elektrogeräte-Hersteller wollten ein Radioprogramm anbieten, um damit den Absatz ihrer Rundfunkgeräte zu steigern. Und so gründeten sie am 18. Oktober 1922 die British Broadcasting Company (BBC), die knapp einen Monat später, am 14. November, zum ersten Mal auf Sendung ging. 

Imke Köhler ARD-Studio London

Die Reichweite war zunächst bescheiden, wie die Medienhistorikerin und BBC-Expertin Jean Seaton von der Universität Westminster weiß: "Die erste richtige Ausstrahlung der BBC konnten ungefähr 10.000 Menschen in London hören. Es gab noch eine separate Ausstrahlung in Manchester, die ungefähr 3000 Menschen hören konnten."

Dass die BBC 1927 von einer Company zu einer Corporation wurde - von einem privaten Unternehmen zu einer Körperschaft und damit zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk - hatte verschiedene Gründe, aber ein zentrales Ziel: die Wähler vor Falschinformationen und Manipulation zu schützen.

Meinungsbildung ermöglichen

Zum einen, erzählt Medienhistorikerin Seaton, wollte man ausschließen, dass sich das "Big Business" einkaufen und Meinungsmache betreiben würde, wie es bei der britischen Presse zu beobachten war. Zum anderen hatte die Welt gerade die Russische Revolution miterlebt, weshalb in Großbritannien befürchtet wurde, dass eine Partei ihre Ideologie und Propaganda über das Radio verbreiten könnte.

Und dann kam noch eine Erfahrung hinzu: die Erfahrung, dass die britische Presse während des Ersten Weltkriegs die Bevölkerung nicht immer wahrheitsgemäß informiert hatte - etwa, wenn es darum ging, wie viele Soldaten gefallen waren. Diese drei Aspekte haben dazu geführt, die BBC als öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu gestalten, der unabhängig vom Staat und unabhängig von der Wirtschaft sein sollte und der Bevölkerung ermöglichen sollte, sich ihre eigene Meinung zu bilden.

Information, Bildung, Unterhaltung

Die Maxime der BBC war von Beginn an zu informieren, zu bilden und zu unterhalten. Rechte und Pflichten wurden in der Royal Charter festgehalten, die dem deutschen Medienstaatsvertrag entspricht, die Finanzierung erfolgte über eine Art Rundfunkbeitrag, die Licence Fee.

1936 ging dann auch das BBC-Fernsehen auf Sendung. Die BBC wuchs in den 1930er-Jahren, gewann durch den Zweiten Weltkrieg aber noch viel stärker an Bedeutung, in Großbritannien und auch im Ausland. Diese Bedeutung verfestigte sich während des Kalten Kriegs.

Mittlerweile allein über 50 Radiosender

Aus dem einstigen BBC Empire Service ist der BBC World Service geworden. Die BBC betreibt im In- und Ausland zahlreiche TV-Kanäle und in Großbritannien über 50 nationale, regionale und lokale Radiosender. Sie bietet viele Inhalte online an, unterhält eine Mediathek und mehrere Orchester, mit denen sie unter anderem auch die "Last Night Of The Proms" bestreitet.

2021/22 lagen die Einnahmen aus Rundfunkbeiträgen bei 3,8 Milliarden Pfund, daneben verzeichnet die BBC im wachsenden Maße Einnahmen aus kommerziellen internationalen Lizenzgeschäften.

Laut Jahresbericht erreicht die BBC pro Woche weltweit fast 500 Millionen Menschen - nicht nur mit Nachrichten, sondern auch mit sehr erfolgreichen Eigenproduktionen, zu denen in der Vergangenheit unter anderem die Science-Fiction-Serie "Doctor Who", Naturdokumentationen wie "Der Blaue Planet" und Literaturverfilmungen wie "Stolz und Vorurteil" gehörten.  

"Bollwerk gegen Populisten"

Wie es mit der ältesten nationalen Rundfunkanstalt der Welt weitergeht, ist offen. Die konservative Regierung von Boris Johnson hatte eine außergewöhnlich aggressive Haltung der BBC gegenüber eingenommen, Johnsons einstiger Chefberater Dominic Cummings wollte sie sogar abschaffen. Ob sich die Dinge unter der neuen Premierministerin Liz Truss wieder entspannen, muss sich noch zeigen.

Steven Barnett, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Westminister, hält die BBC für einen nationalen Schatz. Auf die Frage, welche Rolle sie für die Demokratie im Land spielt, sagte er: "Ich glaube, die ist fundamental. Die BBC fungiert immer noch als eine Art Bollwerk gegen solche Organisationen und Populisten, die letzten Endes versuchen wollen, die Demokratie zu untergraben."

Außerdem, sagt Barnett, sei die BBC das Medium, das die Menschen im Land versammle und zusammenbringe. Das habe die Beerdigung der Queen gerade erst wieder gezeigt.