Der frühere irische Finanzminister Paschal Donohoe ist neuer Eurogruppen-Chef. | Bildquelle: AFP

Centenos Nachfolger Donohoe ist neuer Eurogruppen-Chef

Stand: 09.07.2020 20:27 Uhr

Die 19 Staaten des Euroraums haben einen neuen Chef: Irlands Finanzminister Donohoe wird die Nachfolge des Portugiesen Centeno antreten. Er muss die Eurozone durch die schwerste Rezession ihrer Geschichte steuern.

Paschal Donohoe wird der neue Chef der Eurogruppe. Der Ire setzte sich überraschend im zweiten Wahlgang gegen zwei Mitbewerber durch, wie sein Vorgänger Mário Centeno via Twitter bekanntgab. Donohoe soll seinen Posten kommenden Montag antreten und regulär für zweieinhalb Jahre im Amt bleiben.

In der Eurogruppe kommen monatlich die 19 Finanzminister der Währungsunion zusammen. Hauptaufgabe ist eine enge Koordinierung der Wirtschaftspolitik. In der Finanz- und Schuldenkrise wurde die Eurogruppe zum zentralen Gremium für die Ausarbeitung von Rettungsprogrammen für vom Staatsbankrott bedrohte Länder. 

Der bisherige Europgruppenchef Centeno hatte bereits Ende Juni verkündigt, nach dem Ende seiner Amtszeit nicht erneut anzutreten und soll nun Präsident der portugiesischen Zentralbank werden.

"Brücken zwischen allen Eurozonen-Mitgliedern schlagen"

Vor seiner Wahl zum Eurogruppenchef war Donohoe seit Juni 2017 irischer Finanzminister. Mit dem 45-Jährigen gewann zugleich der jüngste unter drei Bewerbern: Im Rennen waren auch die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño, die lange als Favoritin galt, und der Luxemburger Finanzminister Pierre Gramegna. Gramegna hatte schon nach dem ersten Wahlgang seine Bewerbung zurückgezogen.

Donohoe twitterte nach seiner Wahl, er fühle sich zutiefst geehrt und wolle eine Eurogruppe herstellen, die alle einbeziehe und transparent sei. "Als Präsident werde ich mich bemühen, Brücken zwischen allen Mitgliedern der Eurozone zu schlagen und mich auf alle Mitgliedsstaaten einlassen, um sicherzustellen, dass wir einen auf Einvernehmen basierenden Angang zur Erholung unserer Volkswirtschaften und Gesellschaften haben", erklärte er.

Euroraum steht vor schwerster Rezession seiner Geschichte

Auf Donohoe und die Eurozone kommen nun große Herausforderungen zu: Die Europäische Union steht in der Corona-Pandemie vor der schwersten Rezession ihrer bisherigen Geschichte. Im Euroraum wird die Wirtschaft sich voraussichtlich um 8,7 Prozent schrumpfen und sich auch nächstes Jahr nur teilweise erholen.

Der scheidende Eurogruppen-Vorsitzende Centeno äußerte jedoch die Hoffnung, dass die beschlossenen Konjunkturhilfen das Schlimmste abwenden können: "Ich erwarte, dass diese politische Antwort das Schicksal verändert und uns hilft, den Schlag abzufedern und den Binnenmarkt zu schützen", sagte er.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Juli 2020 um 20:00 Uhr.

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