Merkel und Chiles Präsident Pinera unterzeichnen ein Rohstoffabkommen

EU-Lateinamerika-Gipfel Merkel umwirbt Chile als wichtigen Partner

Stand: 26.01.2013 20:08 Uhr

Es ist der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs in Chile seit 22 Jahren. Anlass von Merkels Reise ist der dortige EU-Lateinamerika-Gipfel, doch insbesondere will sie die Wirtschaftsbeziehungen zu Chile ausbauen. Erster Erfolg: Eine Rohstoffpartnerschaft wurde vereinbart.

Julio Segador ARD-Studio Buenos Aires

Von Julio Segador, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires

Die Chemie stimmt zwischen Angela Merkel und Sebastian Pinera. Dass der Präsident Chiles und auch sein Land der Bundeskanzlerin nahe stehen, konnte man spüren. Gleich mehrmals bezeichnete Pinera die Kanzlerin als große Führungspersönlichkeit, für den Gastgeber des EU-Lateinamerikagipfels ist Merkel die wichtigste Politikerin. Pinera nahm sich noch vor Beginn des eigentlichen Gipfels Zeit für ein ausführliches Gespräch mit Merkel.

Beide Politiker vereinbarten, beim Thema Bergbau enger zu kooperieren. Deutschland will das rohstoffreiche Land am Pazifik bei der Erkundung, der Erschließung und der Gewinnung mineralischer Rohstoffe mit technischem Know-How unterstützen, ebenso beim Thema effiziente Energiegewinnung. Chile hofft im Gegenzug, dass Deutschland die Investitionen im Land weiter ausbaut.

Merkel und Chiles Präsident Pinera

Die Chemie stimmt: Merkel und Chiles Präsident Pinera

Eine Hoffnung, die Merkel gelegen kommt. China hat in Chile Europa als wichtigsten Handelspartner abgelöst. Nun gilt es, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. "Die dynamische Entwicklung der ganzen Region hier zeigt uns in Europa, dass wir uns beeilen müssen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit immer wieder verbessern müssen und dass wir unsere Schulden abbauen müssen. Der wirtschaftliche Aufschwung Chiles zum Beispiel beruht darauf, dass man keine Schulden macht. Das sollte uns auch in Europa Ansporn sein", sagte Merkel. "Aber wir können das", fügte sie noch schmunzelnd an.

Chiles Präsident Pinera jedenfalls hat die Industrie- und Exportnation Deutschland keineswegs abgeschrieben. "Es stimmt, China ist inzwischen unser wichtigster Handelspartner, aber Europa ist viel mehr als einer der beiden wichtigsten Handelspartner Chiles. Wir teilen mit Europa die Geschichte, die Kultur und Tradition. Ebenso Werte, Prinzipien und Visionen. Daher liegt auch das Hauptaugenmerk dieses Gipfels mit der EU darin, eine strategische Partnerschaft zu entwickeln, mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung."

Merkel fordert offene Märkte

Merkel machte deutlich, dass sie vor allem auf mehr Investitionssicherheit drängt. Die jüngsten Verstaatlichungen in einigen Ländern des Kontinents, die massiven Importbeschränkungen, die vor allem in Brasilien und Argentinien Unternehmer verzweifeln lassen, sind für die Kanzlerin keine gute Geschäftsgrundlage. "Wenn wir miteinander intensiver zusammenarbeiten wollen, dann brauchen wir offene Märkte im Sinne des Freihandels. Kein Protektionismus. Das ist die Überzeugung, die auch Chile und Deutschland eint."

Sie äußerte die Hoffnung, dass auch der Mercosur, der südamerikanische Wirtschaftsverbund, ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet. Verhandelt wird hier seit zwei Jahrzehnten.

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KOMMENTARE

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Sasquatch 27.01.2013 • 04:06 Uhr

@ Druusch

Wieso "ungerechtfertigt suspendiert"? Laut Mitteilung des Auswärtigen Amtes wurde Paraguay nach der Express-Amtsenthebung von Präsident Fernando Lugo wegen "demokratischer Defizite" bis zur nächsten Wahl (die im Oktober stattfindet) suspendiert. Lugo selbst akzeptierte zwar letztendlich seine Absetzung, bezeichnete den Vorgang aber als einen "Staatsstreich". Und die "Union Südamerikanischer Nationen" betrachtet das Ganze als eine Bedrohung der demokratischen Ordnung. Wen wundert's da, dass die Gemeinschaft das Land erst mal suspendiert? Und dabei ist der EU-LAC-Gipfel nicht gerade zimperlich, denn immerhin war z.B. Raúl Castro nicht nur eingeladen und anwesend, sondern übernahm am Rande des Gipfels auch gleich noch den Vorsitz der CELAC (Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten). Es dürften also wohl gute Gründe für die Ausladung Paraguays vorgelegen haben. Ach übrigens: All das habe ich aus den Nachrichten, die das Ganze ja angeblich totschweigen.