Container im Hamburger Hafen | dpa

Prognosen nach oben korrigiert EU-Wirtschaft vor starkem Comeback

Stand: 07.07.2021 15:46 Uhr

Nach dem beispiellosen Corona-Einbruch der Weltwirtschaft blickt EU-Wirtschaftskommissar Gentiloni optimistisch in die Zukunft. Doch die sich ausbreitende Delta-Variante könnte den Aufschwung zunichtemachen.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Die Corona-Lage hat sich entspannt, die Impfungen gehen voran, die Einschränkungen werden nach und nach gelockert. Geschäfte, Hotels und Gastronomie öffnen wieder, der Tourismus kommt in Schwung. Davon profitiert die Wirtschaft in der gesamten Europäischen Union. Die schrittweise Öffnung ermöglicht ein "starkes Comeback", sagt EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

"Deshalb korrigiert die EU-Kommission ihre Vorhersage nach oben und rechnet jetzt in diesem Jahr mit einem Wachstum von 4,8 Prozent, im nächsten Jahr sollen es 4,5 Prozent sein", so Gentiloni. "Es geht also wieder bergauf, und das deutlich schneller als erwartet." Auch der Arbeitsmarkt erhole sich. Immer mehr Beschäftigte wechselten aus der Kurzarbeit zurück in Vollzeit. 

Privater Konsum treibt Wachstum an

Haupttreiber des Wachstums in den nächsten Monaten werden nach Ansicht der Kommission der private Konsum und die Investitionen sein - auch weil viele Verbraucher während der Lockdowns Anschaffungen aufgeschoben und damit Geld gespart haben, dass sie jetzt ausgeben können. Ohne die aktuellen Lieferengpässe bei Computerchips würde der Aufschwung sogar noch besser ausfallen. Vor allem die Autoindustrie klagt über fehlenden Nachschub.

Den stärksten Aufschwung erwartet die EU-Kommission in Irland, Ungarn, Rumänien, Griechenland und Spanien. Deutschland liegt mit geschätzten Zuwachsraten von 3,6 Prozent in diesem und 4,6 Prozent im nächsten Jahr im europäischen Durchschnitt.

Delta-Variante könnte Aufschwung gefährden

"Das ist etwas höher als wir im Frühling angenommen haben, weil sich die gesundheitliche Lage verbessert hat und das Vertrauen in die wirtschaftliche Lage größer geworden ist", sagt Gentiloni. "Die steigenden Auftragseingänge beim produzierenden Gewerbe und im Bausektor werden auch in den nächsten Monaten für Wachstum sorgen."

Neben viel Licht sieht die Kommission allerdings auch noch eine ganze Reihe von Risiken. Zum Beispiel den steigenden Ölpreis oder höhere Lebenshaltungskosten. Vor allem aber die rasante Ausbreitung von Virus-Mutationen wie der Delta-Variante, gegen die nur eine Impfdosis offenbar nicht umfassend schützt. Das unterstreicht nach Ansicht der Brüsseler Behörde einmal mehr die Bedeutung der Impfkampagnen. Oder, wie es im Konjunkturbericht wörtlich heißt: "Das Rennen zwischen Infektionen und Injektionen geht weiter."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juli 2021 um 15:31 Uhr.