Injektionsnadeln sind vor einem Biontech-Logo zu sehen | REUTERS

EU-Vertrag mit Pharmafirmen "Impfstoff wird gerecht verteilt"

Stand: 11.11.2020 08:42 Uhr

300 Millionen Impfdosen hat die EU mit Biontech und Pfizer vereinbart. Der Impfstoff werde gerecht verteilt, betonte Biontech. In Deutschland überlegt man derweil, wie Corona-Impfungen praktisch ablaufen sollen.

Nachdem die EU-Kommission gestern bekannt gab, einen Vertrag zur Lieferung des Impfstoffs der Pharmafirmen Biontech und Pfizer fertig ausgehandelt zu haben, will sie diesen heute auch formal festzurren. Das kündigte Kommissionschefin Ursula von der Leyen an. Darüber hinaus will Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ein Gesetzespaket vorstellen, mit dem sich die Europäische Union besser gegen künftige Pandemien und ähnliche Gefahren wappnen will.

Biontech und Pfizer hatten am Montag bekannt gegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Jedoch sind die Studien dazu noch nicht abgeschlossen. Einen Antrag auf Zulassung in den USA kündigten sie frühestens für kommende Woche an. Auch in Europa soll eine Zulassung angestrebt werden. Die EU vereinbarte mit den beiden Unternehmen den Kauf von bis zu 300 Millionen Impfdosen.

Biontech für gerechte Impfstoff-Verteilung

Das Mainzer Unternehmen Biontech trat Befürchtungen entgegen, dass der mit dem US-Konzern Pfizer entwickelte Impfstoffe zunächst bevorzugt in den USA verteilt werden könnte. Wir haben zusammen mit Pfizer vereinbart, dass wir den Impfstoff gleichmäßig und gerecht verteilen", sagte Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung". Seine Firma wolle "definitiv nicht, dass es eine unfaire Überhöhung der Chargen in einzelnen Regionen gibt", betonte Poetting. Deshalb habe Biontech auch Wert darauf gelegt, dass ein Großteil des Impfstoffs in Europa hergestellt werden könne. "Über die Verteilung entscheiden wir mit Pfizer gemeinsam", betonte der Finanzvorstand. 

In Deutschland macht man sich derweil Gedanken darüber, wie die Corona-Impfungen praktisch ablaufen sollen. Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit bis zu 100 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für die Bundesrepublik. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sagte, dass es eine Informations- und Aufklärungskampagne zur Impfung geben solle. Die Bundesregierung werde bei der Furcht vor Impfungen oder Nebenwirkungen auf volle Transparenz setzen, sagte sie der "Augsburger Allgemeinen". "Um dieser Angst zu begegnen, ist die kontinuierliche Information und Aufklärung der Bevölkerung zur Wirksamkeit der Impfung und ihrer Risiken wichtig." Sie bekräftigte, dass keine Impfpflicht vorgesehen sei.

Personal, Infrastruktur, Kosten

Die Bundesregierung bleibe bei ihrer Prognose, dass erst ab kommenden Sommer flächendeckend Impfstoff zur Verfügung stehen werde, sagte Karliczek. Der AOK-Bundesverband geht davon aus, dass der Bund die Kosten für die Impfungen gegen das Coronavirus übernimmt. "Zu finanzieren sind neben den Impfstoffen auch ärztliche Leistungen und Infrastruktur-Kosten", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die AOK sind als gesetzliche Krankenversicherung gerne bereit, ihre Strukturen für die Abrechnung dieser Kosten bereitzustellen, soweit die Kosten über Bundeszuschüsse ausgeglichen werden."

Der Epidemiologe Rüdiger von Kries, der Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut ist, verwies am Dienstagabend im ARD extra auf die Herausforderung, innerhalb kurzer Zeit viele Menschen zu impfen. Dazu müsse man erst einmal geeignetes Personal bekommen. "Der öffentliche Gesundheitsdienst ist so weit ausgedünnt, dass der das sicherlich nicht stemmen kann." Man werde versuchen, andere Ärzte zu gewinnen - etwa Ärzte im Ruhestand.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2020 um 07:00 Uhr und 09:00 Uhr.