Bergung der Bugklappe der "Estonia" (Archivbild: 18.11.1994) | AP

"Estonia"-Untergang Taucher sollen Wrack erneut untersuchen

Stand: 18.06.2021 18:45 Uhr

Vor 26 Jahren sank die Ostsee-Fähre "Estonia" vor der Küste Finnlands, fast 900 Menschen kamen ums Leben. Bis heute wird über die Unglücksursache spekuliert. Nun sollen Taucher das Wrack erneut untersuchen.

Das Schiffswrack der gesunkenen Ostsee-Fähre "Estonia" soll im Sommer bei neuen Tauchgängen untersucht werden. Das teilte die schwedische Havariekommission nach Berichten des Senders SVT mit. Zunächst sollen im Juli Voruntersuchungen stattfinden, um das Ausmaß der Schäden besser einschätzen zu können. Später sollen mit Hilfe von 3D-Technologien aufwendigere fotografische Untersuchungen stattfinden.

Die "Estonia" war in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der Südküste Finnlands gesunken. 852 Menschen starben dabei, der Untergang gilt als die schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein Dokumentarfilm brachte den Fall erneut ins Rollen

Bis heute wird über die Ursache des Unglücks spekuliert. Überlebende und Hinterbliebene fordern seit Langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden. Dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 zufolge war das abgerissene Bugvisier die Ursache für den Untergang.

Im vergangenen Jahr hatten Dokumentarfilmer jedoch neue Details zur "Estonia" und ihrem Zustand enthüllt. Mithilfe eines Tauchroboters entdeckten sie ein vier Meter großes Loch im Wrack. Der Ursprung des Lochs soll nun untersucht werden. Um diesen beurteilen zu können, muss unter anderem die Konstruktion der Schiffsrumpfes analysiert werden.

Die Filmemacher mussten sich nach der Veröffentlichung der Dokumentation allerdings erstmal vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: vorsätzliches Verstoßen gegen den Grabfrieden. Dieser war nach dem fatalen Untergang über dem Wrack verhängt worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Juni 2021 um 19:15 Uhr.