Mark Esper | Bildquelle: AP

Nach Shanahans Rückzug Im Pentagon wächst die Sorge

Stand: 19.06.2019 05:14 Uhr

Der amtierende US-Verteidigungsminister Shanahan zieht sich zurück, mit Mark Esper steht bereits ein Nachfolger fest. Doch wie lange er bleibt, ist unklar. Im und um das Pentagon wächst die Besorgnis.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Krise mit Iran, zusätzliche Truppen im Nahen Osten - der amtierende Verteidigungsminister Patrick Shanahan war gefordert. Gleichzeitig lief seine Bewerbung, das Amt offiziell zu übernehmen. Nun sein überraschender Rückzug, nicht aus beruflichen Gründen, sondern aus persönlichen. Präsident Trump sagte: "Ich habe ihn nicht aufgefordert, die Bewerbung zurückzuziehen. Er brachte mir einen Brief, es war seine Entscheidung. Wir haben einen großartigen Überprüfungs-Prozess, dieser Fall kam erst in der vergangenen, kurzen Zeit ein wenig zum Vorschein. Patrick amtierte, das gibt einem mehr Flexibilität. So ist das, zu schade."

Shanahan teilte mit, er habe sich so entschieden, um seine Kinder davor zu bewahren, ein traumatisches Kapitel ihres Familienlebens noch einmal zu durchleben. Amerikanische Medien berichteten, Shanahan und seine Ex-Frau hatten sich vor knapp zehn Jahren einen Scheidungskrieg geliefert. Unter anderem warfen sie sich gegenseitig Gewaltausbrüche vor. Das FBI untersucht die Vorfälle - das gehört zu den Vorbereitungen einer Anhörung im Kongress. Die war geplant, damit Shanahan offiziell Verteidigungsminister werden kann.

Fragen zu den Umständen von Shanahans Rückzug

Die politischen Reaktionen auf seinen Rückzug drehen sich besonders um die Umstände. Kritiker warfen dem Weißen Haus vor, Shanahan nicht genügend überprüft zu haben, bevor Trump ihn als neuen Verteidigungsminister vorschlug. Der demokratische Senator Tim Kaine bemängelte im Fernsehsender PBS, dass das Verteidigungsministerium so lange wie noch nie ohne offizielle Führung dasteht: "Ich mache mir Sorgen über den Überprüfungs-Prozess, größere Sorgen mache ich mir über die ungezwungende Haltung, Minister nicht zu nominieren, sondern amtieren zu lassen. Das zeigt mir, das Weiße Haus will die Verteidigungs-Politik selbst machen. Wir haben Beispiele gesehen, in denen die solide Einschätzung der Militär-Profis im Pentagon überstimmt wurde, von politischen Erwägungen und Handlungen."

Patrick Shanahan, designierter Verteidigungsminister der USA | Bildquelle: REUTERS
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Der geschäftsführende Verteidigungsminister Shanahan will das Amt nicht dauerhaft übernehmen.

Shanahan war seit Anfang Januar amtierender Verteidigungsminister, nachdem sein erfahrender Vorgänger Jim Mattis hingeschmissen hatte, im Streit mit Trump. Shanahan brachte keine militärische Erfahrung mit: Er hatte vorher jahrzehntelang für den Rüstungs-Konzern Boeing gearbeitet und sollte als stellvertretender Minister das Management des Pentagons verbessern.

Esper in Washington beliebt

Neuer amtierender Verteidigungsminister wird jetzt Mark Esper, bislang Minister für das Heer, höchster Zivilist bei der Army. Trump sagte, er habe keinen Zweifel, dass Esper einen fantastischen Job mache. Er sagte, es sei wahrscheinlich, dass er ihn bald auch als offiziellen Verteidigungsminister nominiere.

Dov Zakheim, Militärberater und unter George W. Bush im Pentagon sagte über Esper: "Mark ist auf gewisse Weise der Anti-Shanahan. Er ist sehr populär, er hat gedient, er kommt gut mit Armee-Stabschef Milley aus, beliebt im Kongress. Er ist wohl fähig. Ich kenne ihn persönlich und halte viel von ihm."

Nach seiner Zeit in der Armee arbeitete Esper unter anderem im Kongress. Allerdings hat er auch eine Vergangenheit als Rüstungs-Lobbyist, im Einsatz für den Rüstungs-Konzern Raytheon.

Abgang in kritischer Zeit: Amtierender US-Verteidigungsminister Shanahan geht
Jan Bösche, ARD Washington
19.06.2019 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Juni 2019 um 02:00 Uhr.

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