Kunden kaufen in einem Walmart Supercenter in Houston im US-Bundesstaat Texas ein. | Bildquelle: AP

Handelsstreit mit China US-Verbraucher müssen Zölle ausbaden

Stand: 11.05.2019 19:20 Uhr

US-Malls sind voll mit chinesischen Produkten. Nun droht US-Präsident Trump China mit weiteren Zöllen. Die Auswirkungen dürften Verbraucher wohl bald zu spüren bekommen.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Ein Samstag in einer US-Mall, und China ist allgegenwärtig: In den Läden finden sich Schnellkochtöpfe "Made in China". Genau wie Bohrmaschinen, kleine Heizer, Laptops und Tablets, Kleidung großer Marken, Geldbörsen, Geburtstagskarten, Spielzeug, Roller, Geschirr. Sogar Shampoo importieren die Vereinigten Staaten aus der Volksrepublik.

Professor Phil Levy von der Northwestern University fürchtet, dass Kunden die Folgen des eskalierenden Handelsstreits bald zu spüren bekommen: "Konsumenten werden feststellen, dass der Handel mit China Vorteile für sie hatte. Viele Sachen, die sie kaufen, seien es Klamotten oder preiswerte Küchenartikel, sind erschwinglich, weil sie aus China kommen." Wenn darauf Sonderzölle von 25 Prozent fällig werden, könnten das Importeure und Händler nicht länger kompensieren. "Die Kosten gehen an die Konsumenten, die müssen dafür zahlen", sagte Levy.

 

Behörde legt am Montag Details vor

Weil die Gespräche über einen Ausgleich nicht vorankommen, hat Trump seinen Handelsbeauftragten angewiesen, höhere Abgaben auch für die Importe vorzubereiten, die bisher vom Handelskonflikt ausgespart waren. Am Montag will die Behörde Details vorlegen.

Rückhalt findet Trump bei seiner eigenen Partei. Obwohl Republikaner, wie der Abgeordnete Barry Loudermilk aus Georgia, sonst bei jeder Gelegenheit für freien Handel eintreten. "Es ist richtig, dass der Präsident gegenüber den Chinesen nicht nachgibt. Er trifft Entscheidungen, um die andere Seite an den Tisch zu bekommen, zu denen andere nicht bereit waren", sagte Loudermilk. Das Handelsabkommen müsse von Vorteil für die Vereinigten Staaten sowie US-Produzenten und Konsumenten sein. "Es ist sehr schade, dass es soweit kommen musste, aber das muss er jetzt durchziehen", bedauerte Loudermilk.

 Hohes Handelsbilanzdefizit

Aus Sicht der US-Administration hat der Handel mit China den großen Nachteil eines Handelsbilanzdefizits. Dieses kostet die Vereinigten Staaten jedes Jahr 500 Milliarden US-Dollar. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die USA werfen China vor, in einem 150-seitigen Kompromissentwurf entscheidende Passagen streichen zu wollen.

Der Präsident setzt in der Situation auf Eskalation. Dabei sei unklar, ob die Drohung mit zusätzlichen Sonderzöllen tatsächlich Fortschritte bringt, sagte Professor Levy. Er war Handelsberater in der Amtszeit von Präsident George W. Bush. "Für China wird es sehr schwierig nachzugeben und gleichzeitig das Gesicht zu wahren, wenn wir uns die Drohungen anschauen, die im Raum stehen." Trump zeige beinahe keine Absicht, auf Zölle zu verzichten, "selbst, wenn er ein Handelsabkommen schließt, für das er sich so stark macht", sagte Levy.

 USA hoffen auf Zusagen Chinas

Die Trump-Administration will offenbar Handelsbeschränkungen so lange einsetzen, bis sicher ist, dass China sich auch an Zusagen hält. Sollten beide Seiten einmal ein Abkommen unterzeichnen. Bis dahin gebe es einen einfachen Weg, Sonderzölle auf Importe zu vermeiden, schrieb der Präsident auf Twitter: "Stellt Eure Produkte in den guten alten Vereinigten Staaten her."

Der Tweet dürfte bei vielen US-Amerikanern auf Zustimmung stoßen.

 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Mai 2019 um 11:00 Uhr.

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