Russlands ESC-Kandidatin Julia Samoilowa | Bildquelle: dpa

Streit zwischen Moskau und Kiew Kein ESC im russischen Staatsfernsehen

Stand: 14.04.2017 13:54 Uhr

Weil die russische ESC-Kandidatin nicht in die Ukraine einreisen darf, wird der Gesangswettbewerb auch nicht im russischen Staatsfernsehen gezeigt. Damit erreicht der Streit zwischen Kiew und Moskau eine neue Stufe der Eskalation. Hintergrund ist der Krim-Konflikt.

Das russische Staatsfernsehen wird den Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew nicht übertragen. Das teilte der Sender Pervy Kanal in Moskau mit. Man werde auch keine anderen Sänger zu der Veranstaltung nach Kiew schicken. "Diese Variante ist völlig inakzeptabel", hieß es in einer Mitteilung der Agentur Interfax zufolge.

Hintergrund ist das ukrainische Einreiseverbot für die russische Kandidatin. Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte ein dreijähriges Einreiseverbot gegen die Sängerin Julia Samoilowa verhängt, weil sie im Jahr 2015 ein Konzert auf der damals bereits von Russland annektierten Krim-Halbinsel gegeben hatte.

Russland spricht von Diskriminierung ihrer Kandidatin. Der Einreisebann gegen die im Rollstuhl sitzende Sängerin Samoilowa verstoße gegen die Regeln und Prinzipien des Wettbewerbs. Die ukrainische Führung versuche den Wettbewerb zu politisieren.

Ukraine bleibt hart - Kompromissvorschlag abgelehnt

Die Regierung in Kiew bleibt bislang unbeeindruckt und lässt sich offensichtlich nicht einmal von den mächtigen ESC-Veranstaltern - der Europäischen Rundfunkunion EBU in Genf - hereinreden. EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre hatte gedroht, die Ukraine künftig vom ESC auszuschließen, sollte die Sperre gegen die russische ESC-Kandidatin nicht aufgehoben werden. Die Regierung in Kiew verwahrte sich gegen die Drohung. Die EBU hatte dem Sender Perwij angeboten, Samoilowa per Satellitenübertragung am ESC teilnehmen zu lassen. Das wurde jedoch sowohl von Kiew als auch von Moskau abgelehnt.

Russland gab Samoilowa jedoch eine Auftrittsgarantie. Sie soll nun 2018 aum ESC teilnehmen. Dies sei mit der EBU so vereinbart, sagte der Chef des TV-Senders Perwy Kanal, Konstantin Ernst, der Agentur Interfax zufolge.

Die Halbfinale des ESC finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, am 13. Mai folgt das Finale. Für Deutschland tritt die Sängerin Isabella Levina Lueen an.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. April 2017 um 07:00 Uhr

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