Protest auf dem Times Square gegen die Jury-Entscheidung

Brutaler Polizeieinsatz in New York Keine Anklage nach Tod eines Schwarzen

Stand: 04.12.2014 01:42 Uhr

Im Juli starb ein 43-Jähriger, nachdem er von einem Polizisten in den Würgegriff genommen worden war. Eine Anklage wird dies nach dem Willen einer Grand Jury in New York aber nicht zur Folge haben. Nicht nur auf dem Times Square protestierten Menschen gegen die Entscheidung. Inzwischen schaltete sich das US-Justizministerium in den Fall ein. Genau dies hatte die Familie des Opfers gefordert. Justizminister Eric Holder versprach eine "unabhängige, tiefgründige, gerechte und schnelle" Untersuchung.

Von Kai Clement, ARD-Hörfunkstudio New York

"Ich habe mir das Video angesehen. So wie ein Familienangehöriger es sich angucken würde", sagte New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nach der Entscheidung. "Es war sehr traurig, sich das anzusehen."

Das mit einem Mobiltelefon aufgezeichnete Video eines Passanten erregt New York seit dem 17. Juli. Das ist der Tag, an dem Eric Garner an den Folgen eines Polizeieinsatzes starb. Es zeigt, wie sich eine Handvoll Polizisten auf ihn werfen und niederringen. Sie drücken seinen Kopf auf den Gehweg. Es zeigt aber vor allem, dass ein Polizist ihn in den Würgegriff nimmt. Eine in New York schon lange verbotene Praxis.

Immer wieder sagte der 43-jährige Familienvater: "Ich bekomme keine Luft mehr." Schließlich verliert er das Bewusstsein, wird später im Krankenhaus für tot erklärt. Die Polizei warf Eric Garner vor, unversteuerte Zigaretten verkaufen zu wollen.

Keine Anklage, kein Prozess

Der Gerichtsmediziner stellte fest: Es war Totschlag aufgrund des Würgegriffs und des Drucks auf die Brust. Dennoch erhebt das Geschworenengericht gegen den Polizisten, der den Würgegriff angewandt hatte, keine Anklage. Es kommt - wie in Ferguson - nicht einmal zu einer ausführlichen Untersuchung durch einen Prozess. Das hat der Bezirksstaatsanwalt inzwischen bestätigt.

Im New Yorker Sender NY1 erklärt Jonathan Moore, der Anwalt von Eric Garners Familie, nicht nur der Würgegriff des Polizisten sei verwerflich. Die Anwendung tödlicher Gewalt, um Eric Garner zu überwältigen, sei in jedem Fall unangemessen und exzessiv gewesen.

Protest in der Grand Central Station in New York
galerie

New Yorker protestierten im Grand Central Terminal mit einem "die-in" gegen die Jury-Entscheidung.

Es gibt viele Parallelen zu Ferguson:

Der Tatverdacht: ein eher kleines Vergehen

Das Opfer: ein Schwarzer

Der Polizist, der den Würgegriff anwandte: ein Weißer

Das Opfer: unbewaffnet

Familie fordert Untersuchung auf Bundesebene

Eine Demonstration in Staten Island nach dem Tod von Eric Garner (August 2014)
galerie

Bereits im August hatte es in New York mehrere Demonstrationen wegen Garners Tod gegeben.

Der unter Asthma leidende, übergewichtige Mann hatte noch die Hände gehoben und verlangt, in Ruhe gelassen zu werden. Es gab in diesem Fall - das legt das Video nahe - auch keinen Anlass für die Polizei, in Notwehr handeln zu müssen.

Die Familie, so sagt ihr Anwalt im Telefoninterview, wird nun eine Untersuchung auf Bundesebene verlangen. Seine Tochter hatte das bereits bei der Beerdigung von Garner angedeutet. "Wir werden unseren Kampf nicht aufgeben, ganz egal, was sie sagen oder tun", erklärte sie damals.

Polizei will Ausbildung verbessern

New Yorks Polizeichef Bill Bratton hatte bereits kurz nach dem Todesfall Konsequenzen angekündigt. Es reiche nicht, alle Abläufe nur noch einmal zu überprüfen. Auch die Ausbildung der Polizei müsse verbessert werden. Unklar ist, wie die Stadt nun auf die Jury-Entscheidung reagieren wird.

Erst Ende vergangener Woche hatte der New Yorker Bürgerrechtler Al Sharpton die Angehörigen der Opfer aus Ferguson und New York zu einem gemeinsamen Gebet versammelt. Dabei forderte auch er eine unabhängiges Verfahren auf Bundesebene.

Seit Mitte Juli hat es immer wieder Proteste gegeben. Ein Demonstrant verglich dabei Würgegriff mit Lynchen. Noch vor Bekanntwerden der Entscheidung hatte Polizeichef Bratton gesagt, er rechne in New York nicht mit gewalttätigen Übergriffen, ganz gleich, wie das Geschworenengericht sich verhalten werde.

Darstellung: