Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht auf einem Parteitag der AKP in Ankara.  | Bildquelle: via REUTERS

Türkei Erdogan droht mit Militäreinsatz in Syrien

Stand: 05.10.2019 15:45 Uhr

Gedroht hat er schon oft, aber noch nie so deutlich: Der türkische Präsident Erdogan kündigte einen baldigen Militäreinsatz in Syrien an - ein deutlicher Wink Richtung USA.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat auf einem Parteitag der AKP in Ankara angekündigt, dass es einen Militäreinsatz in Syrien geben könnte. Der Einsatz der Luftwaffe und von Bodentruppen östlich des Euphrats könne laut Erdogan bereits an diesem Wochenende beginnen. Truppen stünden bereit. Erdogan hatte bereits mehrfach eine entsprechende Militäroffensive in dem Gebiet angekündigt.

Die aktuelle Drohung des türkischen Präsidenten war jedoch die bisher deutlichste seit die Türkei sich mit den USA auf die Einrichtung einer "Sicherheitszone" im Norden Syriens verständigt hatte. Bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge sollen künftig in der Region angesiedelt und ihnen so eine Rückkehr in die Heimat ermöglicht werden. Derzeit leben bis zu 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei.

Türkische Sicherheitsinteressen

Der türkische Präsident wirft den USA vor, beim Aufbau der "Sicherheitszone" viel zu langsam voranzukommen. Eine von Erdogan gesetzte Frist bis Ende September für die Einrichtung der "Sicherheitszone" verstrich ergebnislos. Die Türkei will dort die alleinige Kontrolle übernehmen. Noch dominiert die syrische Kurdenmiliz YPG das Gebiet. Die Türkei sieht die YPG als Terrororganisation an, für die USA sind die Kurden Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien. Der Wunsch der Türkei, dass die Zone 30 Kilometer weit nach Syrien reichen soll und die YPG aus dem Gebiet abziehen muss, wird von den USA bislang nicht unterstützt.

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Zerstörte Häuser in Rakka: Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg.

Erdogan warf den USA zudem vor, versprochene Pläne für gemeinsame Patrouillen im Grenzgebiet zu Syrien nicht umgesetzt zu haben. Damit sollten kurdische Kämpfer von der türkischen Grenze ferngehalten werden.

Die geplante Offensive begründete er mit türkischen Sicherheitsinteressen. Seine Führung habe bislang ausreichend Geduld bewiesen. "Wir haben unsere Vorbereitungen getroffen, wir haben unsere Einsatzpläne abgeschlossen, wir haben die nötigen Befehle gegeben", sagte Erdogan vor Mitgliedern seiner islamisch-konservativen Partei.

Kurden kündigen Widerstand an

Ein Sprecher der von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kündigte bereits heftigen Widerstand gegen die geplante Militäroffensive an. "Wir werden nicht zögern, jeden Angriff von türkischer Seite in einen umfassenden Krieg entlang der ganzen Grenze zu verwandeln, um uns und unser Volk zu verteidigen", schrieb Mustafa Bali auf Twitter.

Die Führung in Ankara befürchtet seit langem ein Erstarken der Kurden entlang ihrer Grenze und ein geschlossenes Kurden-Gebiet in den Nachbarstaaten Syrien und Irak. Kurdische Unabhängigkeitsbestrebungen in der Türkei könnte dies Auftrieb geben - so die Befürchtung der Regierung Erdogan. Der Südosten der Türkei wird von der kurdischen Bevölkerungsgruppe dominiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2019 um 14:00 Uhr.

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