Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan spricht in der Lanxes-Arena in Köln (Archivbild vom 24.05.2014). | Bildquelle: dpa

Vor Erdogan-Besuch Großer Empfang - aber keine große Rede

Stand: 20.09.2018 12:11 Uhr

Der türkische Präsident soll zwar mit militärischen Ehren in Berlin empfangen werden - ein Auftritt von Erdogan vor Tausenden Deutschtürken ist aber nicht geplant. Er verzichtet offenbar auf eine große Rede.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verzichtet bei seinem Staatsbesuch in Deutschland voraussichtlich auf einen Auftritt vor Tausenden Deutschtürken. "Eine große Rede in einer Halle ist nicht geplant", sagte der Sprecher der türkischen Botschaft in Berlin, Refik Sogukoglu, der dpa.

Möglicherweise hält Erdogan während seines Besuchs vom 27. bis 29. September aber eine kurze Ansprache. Geplant ist demnach, dass er zur Eröffnung einer Moschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib in Köln am 29. September kommt.

Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan | Bildquelle: AFP
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Großer Auftritt im Jahr 2015: Der türkische Präsident Erdogan spricht vor Tausenden Deutschtürken in Karlsruhe.

Einvernehmliche Lösung gesucht

Seit Wochen wird über eine Rede Erdogans während seines Deutschlandbesuchs spekuliert. Noch vor zwei Wochen hatte der Berater des Präsidenten, Ibrahim Kalin, erklärt, man suche nach einem Veranstaltungsort. Gleichzeitig betonte er, dass man eine einvernehmliche Lösung mit der deutschen Seite finden wolle.

Bei früheren Besuchen in Deutschland war Erdogan mehrfach vor Landsleuten aufgetreten. 2014 sprach er vor 15.000 Menschen in Köln, 2015 vor 14.000 Menschen in Karlsruhe. In Deutschland leben mehr als drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln.

Leicht abgespecktes Programm mit Steinmeier

Auch eine Begegnung von Erdogan und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit türkischstämmigen Bürgern wird es möglicherweise nicht geben. Die türkische Seite hatte sich eine solche Veranstaltung gewünscht. Auf der Seite des Präsidialamtes gebe es aber keine solchen Planungen, verlautete aus dem Umfeld von Steinmeier. Er hatte Erdogan offiziell eingeladen. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich Erdogan nach türkischen Angaben gleich zweimal zu Gesprächen.

Gegner sehen falsches Signal

Politiker von Linken, Grünen und AfD kritisieren den geplanten Empfang Erdogans mit militärischen Ehren und Staatsbankett. Am 28. September ist in Berlin außerdem eine große Demonstration gegen den Besuch geplant. Dazu werden 10.000 Teilnehmer erwartet.

Erdogan besuchte Deutschland in den vergangenen 15 Jahren bereits mehr als ein Dutzend Mal als Ministerpräsident und Präsident. Die Bundesregierung hofft, dass sich durch Erdogans Besuch die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei normalisieren. Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren waren mehrere deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen verhaftet worden. Außerdem hatte Erdogan Deutschland mehrfach massiv kritisiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. September 2018 um 12:00 Uhr.

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