Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht vor Abgeordneten der AKP über die US-Bedingungen. | Bildquelle: REUTERS

US-Sicherheitsberater in Ankara Erdogan wiegelt Boltons Forderungen ab

Stand: 08.01.2019 17:33 Uhr

Trumps Sicherheitsberater wird in Ankara kurz abgespeist: Das Treffen mit Boltons Amtskollegen endet ohne Konferenz. Stattdessen wettert Präsident Erdogan gegen die US-Bedingungen für einen Abzug aus Syrien.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Forderungen der US-Regierung zum Truppenabzug aus Syrien eine Absage erteilt. "Es ist unmöglich, Boltons Botschaft aus Israel zu schlucken", sagte er vor Abgeordneten seiner Partei kurz nach dem Ende des Besuchs von US-Präsident Donald Trumps Sicherheitsberater. John Bolton habe einen "schweren Fehler" gemacht.

Trumps Sicherheitsberater hatte am Sonntag in Israel Bedingungen für den angekündigten Abzug von US-Truppen aus Syrien aufgestellt: Unter anderem fordern die USA von der Türkei Sicherheitsgarantien für in Syrien kämpfende Kurden.

Knackpunkt zwischen USA und Türkei: Die YPG

Dabei geht es vor allem um die kurdische Miliz YPG, die von der Türkei als Terroristengruppe angesehen wird. Für die USA sind die YPG-Kämpfer hingegen wichtige Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Erdogan zufolge hat die Türkei inzwischen ihre Vorbereitungen für Militäroperationen in Syrien nahezu abgeschlossen, die auf kurdische Kämpfer abzielen. "Wir werden sehr bald zur Tat schreiten, um die Terrorgruppen in Syrien zu neutralisieren", sagte er.

John Bolton (links im Bild) und Ibrahim Kalin geben sich nach ihrem Treffen in Ankara die Hand. | Bildquelle: picture alliance / AA
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John Bolton (links im Bild) und Ibrahim Kalin geben sich nach ihrem Treffen in Ankara die Hand.

Treffen der Sicherheitsberater in Ankara

Dem Sender CNN Türk zufolge sollen "Boltons Bemerkungen in Israel" auch der Grund dafür sein, dass ihm bei seinem Besuch ein Treffen mit Erdogan oder Außenminister Mevlüt Cavusoglu verwehrt blieb.

Bolton war zuvor mit Erdogans Sicherheitsberater Ibrahim Kalin zu Gesprächen zusammengekommen. An dem Treffen nahmen US-Generalstabschef Joseph Dunford und der Syrienbeauftragte James Jeffrey teil. Auf türkischer Seite waren neben Kalin die Stellvertreter von Geheimdienstchef Hakan Fidan, des Verteidigungsministers Hulusi Akar und des Außenministers Mevlüt Cavusoglu anwesend.

Das Treffen endete nach zwei Stunden, ohne das Angaben zum Inhalt der Gespräche bekannt wurden. Eine abschließende gemeinsame Pressekonferenz wurde abgesagt.

US-Koalition greift Dorf in Ostsyrien an

Trump hatte vor Weihnachten überraschend angekündigt, er wolle alle Truppen aus Syrien abziehen, die dort gegen den IS kämpfen. Zwischenzeitlich hat er seine Aussagen jedoch mehrfach relativiert - etwa, indem er darauf hinwies, dass er keinen Zeitraum für den Abzug genannt habe.

Kampfflugzeuge des US-Bündnisses griffen am Dienstag das von IS-Kräften gehaltene Dorf Schaafa in Ostsyrien an. Gestern hatte die Aktivistengruppe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits berichtet, IS-Kämpfer hätten zahlreiche Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens getötet.

Pompeo in Jordanien

Zu Beginn seiner Nahostreise verteidigte US-Außenminister Mike Pompeo in der jordanischen Hauptstadt Amman erneut die umstrittene Entscheidung von Trump zum Abzug der US-Truppen aus Syrien. Der IS sei noch immer eine der größten Gefahren für den Nahen Osten und werde weiter effektiv bekämpft werden. "Die Entscheidung des Präsidenten, unsere Leute aus Syrien abzuziehen, beeinflusst das auf keinen Fall", sagte Pompeo. Man werde weiter mit hohem Druck gegen die Extremisten vorgehen können.

Gegenüber dem Iran kündigte Pompeo eine noch härtere Gangart an. Teheran stelle neben dem IS die große Bedrohung für die Region dar. Die USA würden in den kommenden Tagen und Wochen "richtigen Druck" auf das Land aufbauen. Ziel Pompeos auf seiner Nahost-Reise ist, ein koordiniertes Vorgehen gegen den Iran zu erreichen. Er wird auch in Ägypten und mehreren Golfstaaten erwartet.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 08. Januar 2019 um 16:00 Uhr.

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