Erdbebentrümmer in Vrises auf Lesbos | Bildquelle: REUTERS

Seebeben in der Ägäis "So einen Stoß habe ich noch nie erlebt"

Stand: 12.06.2017 21:16 Uhr

Bei einem Seebeben vor der Westküste der Türkei ist eine Frau ums Leben gekommen. Sie starb auf der griechischen Insel Lesbos, wo das Beben große Schäden anrichtete. Der Erdstoß war bis nach Istanbul und Athen zu spüren. Menschen rannten in Panik auf die Straßen.

Ein starkes Beben hat die Westküste der Türkei und die griechischen Inseln in der Ägäis erschüttert. Die Stöße waren noch im rund 330 Kilometer entfernten Istanbul und im etwa 300 Kilometer entfernten Athen zu spüren, es gab mehrere Nachbeben. Das Zentrum lag in der Ägäis zwischen der griechischen Insel Lesbos und der türkischen Millionenmetropole Izmir.

Auf der griechischen Insel Lesbos starb eine Frau in den Trümmern ihres Hauses. Die Feuerwehr barg sie aus den Trümmern. Mindestens zwölf Menschen wurden verletzt. Sie konnten nicht mehr rechtzeitig aus einstürzenden alten Häusern fliehen oder verletzten sich bei der Flucht aus ihren Unterkünften. Eine Frau konnte nach Angaben der Feuerwehr auf Lesbos am Abend aus den Trümmern ihres eingestürzten Hauses leicht verletzt gerettet werden.

Am schlimmsten wurde nach Angaben des Bürgermeisters die Ortschaft Vrises getroffen. "Mehrere Häuser in Vrises sind schwer beschädigt oder eingestürzt", sagte er im griechischen Rundfunk. Auch in der Ortschaft Plomari wurden mehrere Häuser schwer beschädigt, wie Augenzeugen im Staatsfernsehen berichteten. Zahlreiche Straßen seien unpassierbar nach Erdrutschen, teilte der griechische Verkehrsminister Christos Spirtzis mit.

"Wir haben es mit einer Katastrophe zu tun", sagte die Gouverneurin der Nord-Ägäis-Region, Christina Kalogirou. Die Armee bringe Zelte, damit die Menschen dort die Nacht verbringen können.

"Die Menschen sind fast alle auf die Straße gerannt", berichteten Augenzeugen aus Lesbos im Fernsehen. Hotels wurden nicht beschädigt, teilten die Behörden mit.

Seismologen rieten den Menschen, deren Häuser beschädigt sind, im Freien zu bleiben. Es bestehe Gefahr, dass sie während eines Nachbebens einstürzen. Der Zivildienst sollte Zelte in den betroffenen Regionen rund um die Ortschaft Plomari aufschlagen, damit die Menschen darin übernachten könnten, berichtete das Staatsradio weiter.

Das Hauptbeben ereignete sich vor der Küste des Bezirks Karaburun in der türkischen Provinz Izmir. Bezirksbürgermeister Muhammet Özyüksel sagte dem Nachrichtensender CNN Türk, es habe etwa 15 bis 20 Sekunden gedauert. Es sei sehr stark gewesen. "So einen Stoß habe ich noch nie erlebt. Ich habe gedacht, das Gebäude stürzt ein", sagte er. Ihm lägen aber keine Angaben über Opfer oder Schäden vor.

Das Beben sei am Nachmittag um 15.28 Uhr in einer Tiefe von sieben Kilometern aufgetreten, teilte die türkische Katastrophenschutzbehörde mit. Die Angaben zur Stärke schwanken. Die US-Erdbebenwarte USGS gab sie mit 6,3 an, dem Erdbeben-Monitor des Helmholtz-Zentrums in Potsdam zufolge lag sie bei 6,4. Die türkische Katastrophenschutzbehörde bezifferte die Stärke mit 6,2.

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zurzeit Athen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juni 2017 um 17:30 Uhr und auf Inforadio um 16:01 Uhr.

Darstellung: