Ein junger Mann aus Pakistan durchsucht sein völlig zerstörtes Haus.

Schweres Erdbeben am Hindukusch Hunderte Tote und eine zerstörte Region

Stand: 27.10.2015 16:16 Uhr

Verschüttete Straßen, zerstörte Häuser: Das Erdbeben am Hindukusch hat in der Region Chaos hinterlassen. Abgelegene Gebirgsregionen sind nun noch schwerer zu erreichen als sonst, Überlebende müssen aus der Luft versorgt werden. Die Zahl der Todesopfer stieg auf mehr als 400.

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben am Hindukusch ist die Zahl der Todesopfer auf über 400 gestiegen. In Pakistan starben nach amtlichen Angaben mindestens 310, in Afghanistan 115 Menschen. Mehr als 2000 Menschen wurden verletzt. Mehr als 7600 Häuser, zwölf Schulen und 17 Moscheen in Afghanistan sollen völlig zerstört sein, hieß es. Es wird mit einer höheren Opferzahl gerechnet.

Durch das Erdbeben der Stärke 7,5 kam es zu Erdrutschen und Steinlawinen, sodass nach wie vor viele Zufahrtsstraßen ins Gebirge blockiert sind. Pakistanische Behörden meldeten, mindestens zwei Gletscher im 8000 Meter hohen Karakorum-Gebirge seien geborsten und andere hätten Risse bekommen. Dies lasse Überflutungen befürchten.

Die pakistanischen Behörden teilten weiter mit, die Streitkräfte versorgten die Überlebenden mit Hubschraubern, hätten aber Probleme, entlegene Bergregionen zu erreichen. Tausende seien obdachlos geworden. Zudem helfe das Militär bei der Reparatur unterbrochener Kommunikationsleitungen.

Pakistanische Soldaten beladen einen Hubschrauber mit Hilfsgütern.
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Pakistanische Soldaten: Viele Überlebende können nur aus der Luft versorgt werden.

Das stärkste Beben seit Jahrzehnten

Das Epizentrum des Bebens lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte in der nordafghanischen Provinz Badachschan im Hindukuschgebirge in einer Tiefe von 213 Kilometern. Das Beben sei das stärkste seit Jahrzehnten, sagte der afghanische Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah. Er warnte vor Nachbeben.

In der afghanischen Provinz Tachar wurden zwölf Schulmädchen in einer Massenpanik zu Tode getrampelt. Sie hatten versucht, sich aus ihrem Schulgebäude in Sicherheit zu bringen, wie die Provinzregierung mitteilte. 42 weitere Schülerinnen wurden in ein Krankenhaus der Provinzhauptstadt Talukan gebracht. In Kabul verursachte das Erdbeben Stromausfälle.

Tausende Häuser zerstört

Besonders stark bekam auch der Nordwesten Pakistans die Naturkatastrophe zu spüren, darunter die Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Allein in der Gegend seien fast 2000 Häuser durch das Beben zerstört worden, sagte der Beamte Amir Afaq. In die Gegend würden Zelte, Medizin und andere Versorgungsgüter gebracht.

Die USA boten ihre in ganz Afghanistan zerstreuten Notunterkünfte und Versorgungsgüter zur Nutzung für Opfer an. Washington habe bereits mit Verantwortlichen in Afghanistan und Pakistan Kontakt aufgenommen und sei zu weiterer Unterstützung bereit, sagte US-Regierungssprecher Josh Earnest.

Die Erschütterungen waren auch in Neu Delhi und Islamabad zu spüren. Dort erlebte auch der deutsche Journalist Can Mansuroglu das Beben mit und filmte die Szene. Sein bitteres Fazit: Es seien vor allem die Regionen betroffen, in denen der Winter schon eingesetzt habe.

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