Boris Johnson steht vor einem Pult und hält eine Rede. | AFP

Corona-Beschränkungen in England Johnson lockert und mahnt zur Vorsicht

Stand: 12.07.2021 20:09 Uhr

In England sollen trotz steigender Infektionszahlen am 19. Juli fast alle Corona-Maßnahmen aufgehoben werden. Das gab Premierminister Johnson wie erwartet bekannt. Im Kampf gegen die Pandemie setzt er nun auf die Vernunft der Bürger.

Angesichts der angekündigten Corona-Lockerungen in England hat der britische Premierminister Boris Johnson die Bevölkerung zu Vorsicht und Rücksichtnahme aufgefordert. "Diese Pandemie ist bei weitem nicht vorbei. Diese Krankheit gefährdet weiterhin Sie und Ihre Familien", sagte Johnson.

Die Bevölkerung könne nicht einfach zum Leben wie vor der Corona-Pandemie zurückkehren. Dennoch bestätigte der Regierungschef, dass fast alle Corona-Regeln vom 19. Juli an aufgehoben werden sollen. Johnson erwarte aber nicht, dass alle Bürger ab Montag wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren könnten. Wegen der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante war die Zahl der Neuinfektionen zuletzt landesweit wieder in die Höhe geschossen.

"Um diese Schritte zu unternehmen, müssen wir vorsichtig sein und geimpft werden", sagte Johnson. Die Regierung empfehle mit Nachdruck, an Orten mit vielen Menschen wie im öffentlichen Nahverkehr weiterhin Masken zu tragen. Denken Sie an andere und wägen sie die Risiken ab", appellierte Johnson an die Bevölkerung.

Die letzte Stufe der Corona-Lockerungen bedeutet, dass ab kommendem Montag alle Beschränkungen für gesellschaftliche Zusammenkünfte aufgehoben werden und auch die Pflicht zum Maskentragen und Abstandhalten wegfällt. Diskotheken können zum ersten Mal seit März letzten Jahres wieder öffnen, und es wird keine Einschränkungen mehr für den Besuch von Konzerten, Theatern, Hochzeiten oder Sportveranstaltungen geben.

Clubs müssen Impfstatus nicht mehr prüfen

Die Regierung bitte Nachtclubs und andere Veranstaltungsorte aber darum, den Impfstatus ihrer Gäste und Besucher mithilfe eines digitalen Nachweises zu überprüfen. Eine gesetzliche Grundlage dafür gibt es nicht mehr. Die harten Einreiseregeln, die für nicht Geimpfte oder Einreisende aus "roten Ländern" eine Quarantäne vorschreiben, blieben in Kraft.

Zuvor hatte auch der britische Gesundheitsminister Sajid Javid bekräftigt, dass es die richtige Zeit sei, um den Briten die Chance auf eine Rückkehr zu einem normalen Leben zu geben. Neun von zehn Erwachsenen verfügten nach einer erfolgreichen Impfkampagne über Antikörper gegen das Virus. "Denen die fragen, warum wir diesen Schritt jetzt gehen, sage ich: Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte Javid.

"Es wird keinen perfekten Zeitpunkt geben""

"Es wird nie einen perfekten Zeitpunkt für diesen Schritt geben, denn wir können dieses Virus einfach nicht ausrotten - ob wir es wollen oder nicht, das Coronavirus wird nicht verschwinden", erklärte Javid vor dem Parlament.

Im Verlauf des Sommers könne die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 pro Tag steigen, angetrieben von der rascher übertragbaren Delta-Variante. Der Anstieg werde jedoch keinen "unhaltbaren Druck" auf die Krankenhäuser ausüben, weil eine zweifache Impfung einen wirksamen Schutz gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 böten, sagte der Minister. Wenn man noch länger mit der Aufhebung der Beschränkungen warte, riskiert man, dass sich das Virus im Winter ausbreite, wenn die Krankenhäuser am ehesten überlastet seien.

Die Regierung wird nach Angaben des Ministers ihr Ziel erreichen, bis zum Tag der Aufhebung der Corona-Beschränkungen, dem 19. Juli, allen Erwachsenen mindestens eine Impfdosis angeboten zu haben. Bis heute erhielten 87 Prozent der erwachsenen Bevölkerung eine erste Impfdosis, 66 Prozent sind zweifach geimpft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2021 um 18:00 Uhr.