Der Sitz der europäischen Arzneimittelagentur in Amsterdam | Bildquelle: REMKO DE WAAL/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Impfstoff Gespanntes Warten auf die EMA

Stand: 06.01.2021 08:31 Uhr

Nach dem Biontech-Impfstoff steht das zweite Serum in der EU vor dem Einsatz. Sehnlichst wird die Zulassung für Moderna durch die Europäische Arzneimittelbehörde erwartet, damit mehr geimpft werden kann.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Vor zwei Entscheidungen steht die Europäische Arzneimittelagentur EMA in dieser Woche: Zum einen geht es um die Zulassung des Moderna-Impfstoffs aus den USA - eines Impfstoffs, der auf einem ähnlichen Prinzip beruht wie das bereits von der EMA zugelassene Vakzin von Biontech/Pfizer. Der Moderna-Impfstoff gilt als noch etwas wirksamer, muss aber deutlich weniger stark gekühlt werden.

Die EU-Kommission habe pro Kopf der Bevölkerung drei Mal mehr Impfdosen des US-Produzenten Moderna bestellt als Großbritannien, betont EU-Parlamentarier Peter Liese in Brüssel. Jetzt ist die EMA mit Sitz in Amsterdam am Zug, grünes Licht für die Freigabe zu erteilen. Das OK der EU-Kommission ist dann nur noch eine Formsache.

Sechs statt fünf - die EMA muss es bewilligen

Covid-Experte Liese sieht die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA in dieser Woche auch in Sachen Biontech/Pfizer erneut unter Handlungsdruck. Die EMA müsse es möglich machen, den bereits zugelassenen Biontech-Impfstoff effizienter zu nutzen, fordert der Mediziner und EVP-Europapolitiker.

Denn mittlerweile stellte sich heraus: Mit Hilfe spezieller Spritzen ist es möglich, aus einer Biontech-Ampulle nicht nur fünf Impfdosen zu bekommen, sondern sechs. Der entsprechende Antrag von Biontech/Pfizer liegt bereits auf dem Tisch der Europäischen Arzneimittelbehörde. Noch in dieser Woche solle sie diesen Antrag bewilligen, am besten noch heute, fordert der Gesundheitsexperte der EVP-Fraktion im EU-Parlament.

Produktion bald auch in Marburg

In Deutschland wird das Prinzip sechs statt nur fünf Impfdosen aus einer Biontech-Ampulle bereits praktiziert. Um die Biontech-Produktion möglichst schnell hochzufahren, soll ab Ende Februar der neue Impfstoff auch in einem Werk in Marburg produziert werden. Wenn die zusätzliche Anlage reibungslos funktioniert, rechnen die Impfstoffexperten in Brüssel noch vor dem Sommer mit 50 Millionen zusätzlichen Impfdosen.

Medizinisches Personal beim Impfstart in Polen | Bildquelle: LESZEK SZYMANSKI/EPA-EFE/Shutter
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Auf 50 Millionen zusätzliche Biontech-Impfdosen noch vor dem Sommer hofft die EU, in der derzeit knapp 448 Millionen Menschen leben.

Curevac - die dritte Hoffnung

Wohlgemerkt: 50 Millionen zusätzliche Biontech-Impfdosen für die gesamte Europäische Union. Neben den Lieferungen von Biontech und Moderna hofft Experte Liese noch vor dem Sommer auf Impfstoffzufuhr aus Tübingen. Und zwar von dem Biotech-Unternehmen Curevac.

Insgesamt 405 Millionen Impfdosen hat das Tübinger Unternehmen der EU vertraglich zugesichert. 50 Millionen davon könnten bereits vor dem Sommer in der Europäischen Union verimpft werden, so die Hoffnung in Brüssel. Die klinischen Tests der Phase drei verlaufen derzeit vielversprechend.

Was wenn, Curevac kein Erfolg wird?

Doch was, wenn der Tübinger Curevac-Impfstoff wider Erwarten kein Erfolg werden und keine Zulassung bekommen sollte? Dann könne Biontech mit Curevac kooperieren. Und seinen Impfstoff auch in Tübingen produzieren lassen. Schließlich seien beide Unternehmen gleichermaßen auf die neue Impftechnologie MRNA spezialisiert, schlägt Mediziner Liese vor.

Curevac sei in diesem Fall zu einer Kooperation mit dem Mainzer Konkurrenten Biontech bereit, deutet der EU-Parlamentarier die Signale aus der Tübinger Konzernspitze.

Fest steht: Biontec, Moderna und Curevac sind alle drei auf das Botenmolekül MRNA spezialisiert. Und diese drei Biotechnologieunternehmen sind derzeit die wichtigsten Hoffnungsträger für die EU, um den Produktionsengpass für den Covid-Impfstoff in den nächsten Monaten zu überwinden. Doch das entscheidende Wort hat im Fall von Moderna und Curevac die europäische Arzneimittelbehörde EMA.

Impfstoff-Engpass: Die Hoffnungsträger der EU
Ralph Sina, ARD Brüssel
06.01.2021 07:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2021 um 09:00 Uhr.

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