Der Sitz der europäischen Arzneimittelagentur in Amsterdam | REMKO DE WAAL/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Impfstoffzulassung Warum die EU-Behörden so lange brauchen

Stand: 14.12.2020 17:46 Uhr

Während andere Länder ihre Impfprogramme bereits gestartet haben, scheint sich die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Zeit zu lassen. Dafür gibt es Gründe.

Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

Der Druck auf die EU-Behörden wächst. Großbritannien hat schon mit Massenimpfungen begonnen, die USA auch - warum dauert es in Europa länger? Die Frage wird auch in Brüssel gestellt.

Helga Schmidt ARD-Studio Brüssel

Die EU-Kommission soll die zuständige Europäische Arzneimittelbehörde EMA in Amsterdam gebeten haben, den Impfstoff schneller zuzulassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Insiderquellen.

Der Europa-Abgeordnete Peter Liese hält engen Kontakt zum Expertenteam in Amsterdam, er verteidigt das europäische Genehmigungsverfahren: "Bei der Europäischen Union ist es so, dass mehr Daten zur Verfügung gestellt werden müssen. Biontech hat mir bestätigt, dass die Tiefe und Feinkörnigkeit der Daten, die sie an die EMA liefern müssen, umfangreicher sind als die Daten, die sie nach Großbritannien geliefert haben."

Die Mainzer Firma Biontech hat zusammen mit ihrem amerikanischen Partner Pfizer vor zwei Wochen eine bedingte Marktzulassung eingereicht. Das Mehr an Daten, das sie nach Amsterdam liefern müssen, besteht vor allem aus Testergebnissen über die Nebenwirkungen - da ist die EU-Behörde an mehr Daten interessiert als die Kollegen in Großbritannien.

"Durch die frühe Zulassung in den USA und in Großbritannien besteht natürlich die Gefahr, dass Nebenwirkungen auftreten, die man bei sorgfältiger Prüfung vielleicht doch entdeckt hätte", sagt Liese. "Es gibt ja schon erste Einschränkungen in Großbritannien, beispielsweise für Menschen mit Allergien."

Liese ist Arzt und Gesundheitsexperte der CDU im Europaparlament. Er hält es für richtig, dass die EMA nicht nur den eigenen Experten vertraut, sondern alle Erkenntnisse auch von den Experten in den Mitgliedsländern noch mal überprüfen lässt: "Die britische Behörde ist sicher eine gute Behörde", so Liese. "Aber man sagt ja, vier Augen sehen mehr als zwei. Und in diesem Fall sollten es auch deutlich mehr sein."

Auf deutscher Seite arbeitet die EMA intensiv mit dem Paul Ehrlich-Institut in Langen zusammen. Der Austausch kostet mehr Zeit, als wenn zentral entschieden würde - zum Beispiel in London.

Es geht um Sicherheit - und viel Geld

Der Aufwand ist aber nicht nur aus Lieses Sicht nötig. Auch andere Gesundheitsexperten in der Brüsseler Kommission verteidigen, dass die Daten der Hersteller genau durchleuchtet werden. Schließlich geht es für die Pharmaunternehmen um viel Geld, sie stehen im Wettbewerb miteinander. Allein deshalb sei eine sorgfältige Kontrolle nötig.

Trotzdem gibt es in Brüssel Anzeichen, dass der ursprüngliche Genehmigungstermin - der 29. Dezember - etwas vorverlegt werden könnte. Die anschließende Marktzulassung durch die Kommission könne dann in weniger als 24 Stunden erteilt werden, heißt es in Brüssel.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 14. Dezember 2020 um 18:10 Uhr.

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KOMMENTARE

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Adeo60 14.12.2020 • 22:23 Uhr

@ aufgeklärteWelt, 20.30

Ich möchte schon wissen, ob und welche Nebenwirkungen der Impfstoff nach sich ziehen kann. So hat sich in GB gezeigt, dass Allergiker damit Probleme haben.