Zwei trauende Mädchen in der Nähe des Tatorts in El Paso | Bildquelle: AP

El Paso und Dayton Fünf Tage Trauer nach Massakern

Stand: 05.08.2019 00:00 Uhr

Geschockt und entsetzt haben US-Amerikaner auf die Massaker in El Paso und Dayton reagiert. Innerhalb von 24 Stunden wurden insgesamt 29 Menschen von Attentätern erschossen. US-Präsident Trump ordnete Trauerbeflaggung an.

Nach den Massakern in Texas und Ohio hat US-Präsident Donald Trump angeordnet, am Weißen Haus und an anderen Regierungsgebäuden US-Flaggen auf halbmast zu setzen. Dies soll bis Sonnenuntergang am Donnerstag so bleiben, wie aus der Anordnung des Präsidenten hervorging. Der Präsident verurteilte die Massaker. "Hass hat in unserem Land keinen Platz", so Trump.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. "Die Grausamkeit und Abscheulichkeit dieser Taten bestürzen uns alle zutiefst", so Merkel in einem Kondolenztelegramm an Trump. Sie habe die Nachrichten von den Schusswaffenangriffen "mit großer Bestürzung und Trauer vernommen".

Bewaffnete Angreifer hatten binnen 24 Stunden an zwei verschiedenen Orten in den USA 29 Menschen erschossen. Die Polizei geht davon aus, dass die Taten in keinem Zusammenhang miteinander stehen.

20 Tote in El Paso

In einem Einkaufszentrum in El Paso in Texas tötete ein Schütze mindestens 20 Menschen, 26 weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter ergab sich den herbeieilenden Polizisten. Sie hatte der erste Notruf am Samstag um 10.39 Uhr (Ortszeit) erreicht. Zu dem Zeitpunkt feuerte der Schütze bereits in einem Einkaufszentrum der Grenzstadt zu Mexiko auf Kunden und Passanten. Die meisten Opfer seien in einem Walmart getroffen worden, teilte die Polizei mit. In dem Supermarkt hätten sich bis zu 3000 Menschen aufgehalten, die unter anderem für den bevorstehenden Schulbeginn einkauften.

Politische Debatte nach Attentaten in den USA
tagesthemen 23:15 Uhr, 04.08.2019, Christiane Meier, ARD New York

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Der Täter soll ein Gewehr benutzt haben, das den Sturmgewehren der US-Armee nachempfunden ist: große Magazinkapazität, vergleichsweise geringer Rückschlag, höhere Präzision als Pistolen oder Revolver. Diese Art von Gewehr wird nach Polizeierkenntnissen häufig von Attentätern für derartige Angriffe benutzt.

Rassistisches Manifest

Der Angreifer ist nach Angaben der Polizei ein 21-jähriger Weißer. Polizeichef Greg Allen sagte, es gebe ein "Manifest", das auf ein Hassverbrechen hindeutet. Noch sei allerdings nicht bestätigt, dass dieses vom Verdächtigen geschickt wurde. In dem Pamphlet wird unter anderem von einer "hispanischen Invasion in Texas" gesprochen. Zudem wird Unterstützung für den rassistischen Attentäter von Christchurch geäußert, der Mitte März in Neuseeland zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte. Die "New York Times" berichtet, der Text sei 19 Minuten vor dem ersten Notruf in El Paso online gegangen.

Bürgermeister Dee Margo sagte, der Verdächtige stamme nicht aus der Stadt. Nach US-Medienberichten kam er aus Allen nördlich von Dallas - mehr als 900 Kilometer Luftlinie von El Paso entfernt. Er könnte sich die Stadt mit etwa 680.000 Einwohner wegen der Nähe zu Mexiko ausgesucht haben.

Polizisten im Einsatz in El Paso nach den tödlichen Schüssen im Supermarkt | Bildquelle: IVAN PIERRE AGUIRRE/EPA-EFE/REX
galerie

Die Polizei war innerhalb von Minuten vor Ort. Der Täter - schwer bewaffnet und mit auffälligem Gehörschutz - ergab sich.

Als inländischer Terrorismus eingestuft

Die US-Staatsanwaltschaft stufte den Fall als inländischen Terrorismus ein. Sie plant eine Anzeige wegen Mordes und wegen Hassverbrechens, die die Todestsrafe nach sich ziehen könnte. "Wir werden die Todesstrafe fordern", sagte der Bezirksstaatsanwalt von El Paso, Jaime Esparza.

Die mexikanische Regierung verurteilte die Tat. Präsident Andrés Manuel López Obrador teilte in einer Videobotschaft mit, unter den Toten seien drei mexikanische Bürger. Sechs Mexikaner sollen verletzt worden sein - auch ein zehnjähriges Mädchen. Zudem kündigte Obrador rechtliche Schritte zum Schutz der in den USA lebenden Mexikaner an.

Mexiko verlangte zudem ein Ende der Hetz-Rhetorik. Vize-Außenminister Jesus Seade twitterte: "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt."

Zweiter Tatort - Dayton, Ohio

In Dayton im US-Bundesstaat Ohio kam es wenige Stunden später zu einem Angriff. Der Attentäter schoss gegen 1.00 Uhr nachts im beliebten Bar- und Restaurantviertel Oregon District nahe einer Bar um sich. Er tötete neun Menschen und verletzte 27 weitere. Er selbst wurde von Polizisten erschossen. Unter den Todesopfern ist nach Angaben der Polizei auch die 22-jährige Schwester des Angreifers.

Dieser konnte inzwischen identifiziert werden. Laut Ermittler handelt es sich um einen 24-jährigen Weißen.

Nach US-Medienberichten trug der Täter eine Schutzweste, viel Munition und ein Gewehr des Kalibers .223. Das Kaliber deutet auch hier auf ein halbautomatisches, Armee-inspiriertes Gewehr hin.

Die Bürgermeisterin von Dayton, Nan Whaley, verurteilte die Tat. Sie räumte ein, wie hilflos sie der Gewalt gegenübersteht: "Nichts von dem, was ich sage, kann den Menschen helfen, die geliebte Angehörige verloren haben. Wir können nur da sein, die Lücke füllen und ihnen den Raum und den Anstand einräumen, den sie brauchen." Ihr Herz sei gebrochen, twitterte Whaley.

Tragische Bilanz

In den USA kommt es immer wieder zu Angriffen mit Schusswaffen. Die Täter suchen sich dabei häufig belebte Orte als Ziele aus - Einkaufszentren, Schulen, Volksfeste oder etwa Kinos. Erst am vergangenen Sonntag (Ortszeit) war ein Mann auf das Gelände des beliebten "Garlic Festival" im kalifornischen Gilroy vorgedrungen. Er erschoss drei Menschen, bevor er von der Polizei getötet wurde.

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Gun Violence Archives war El Paso bereits der 250. Vorfall in diesem Jahr, bei dem mindestens vier Menschen getötet oder verletzt wurden. Trotzdem blieben bisher Bemühungen für restriktivere Waffengesetze erfolglos - vor allem, weil US-Präsident Donald Trump und viele Republikaner dagegen sind. Auch die einflussreiche Waffenlobby NRA bekämpft jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren. Die Attentate in El Paso und Dayton verstärken die Forderungen der Waffengegner und Befürworter schärferer Waffengesetze nun um so mehr.

Attentate in El Paso und Dayton
Torsten Teichmann, ARD Washington
04.08.2019 19:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2019 um 20:00 Uhr.

Darstellung: