Truppen in Abidjan

Ivorischer Ex-Präsident Gbagbo festgenommen Das Ende eines Albtraums?

Stand: 12.04.2011 03:23 Uhr

Es war ein historischer Tag in der Elfenbeinküste - und für viele der vorläufige Endpunkt einer viermonatigen, blutigen Machtprobe. Nach einer verlorenen Wahl hatte Ex-Präsident Laurent Gbagbo sich standhaft geweigert, zurückzutreten - und seinem gewählten Nachfolger Alassane Ouattara den Präsidentenstuhl zu überlassen. Gestern Nachmittag nun wurde Gbagbo in seiner Residenz gefangen genommen. Doch für Ouattara geht nun die Arbeit erst los.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

"Tötet mich nicht" - das sollen die Worte von Gbagbo gewesen sein, als er den feindlichen Soldaten auf einmal gegenüberstand. Augenzeugen berichten, einige Kämpfer hätten Gbagbo dann eine Schutzweste angelegt und ihn - gut gesichert - aus dem Gebäude geführt. Mit einem Geländewagen wird er dann direkt zum Hotel du Golf gefahren, dem Sitz von Alassane Ouattara und der UNO-Blauhelmtruppen. Gbagbo wird ins Zimmer 468 gebracht. Er setzt sich aufs Bett und spricht: "Ich hoffe, dass die Waffen beschlagnahmt werden, dass die Krise auf zivile Art weitergeht und dass wir damit schnell abschließen, damit das Land wieder funktioniert."

Der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste Gbagbo nach seiner Festnahme
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Der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste Gbagbo nach seiner Festnahme. Rechts neben ihm: seine Frau Simone

Da sitzt er nun: Der Mann, der einen Kontinent seit Monaten in Atem gehalten hat. Ein schwitzender, gut genährter Mann im weißen Unterhemd, der sich von jungen Soldaten beschimpfen lassen muss. Der noch nicht ganz zu glauben scheint, was ihm gerade widerfährt. Draußen, vor dem Hotelzimmer, stehen schwerbewaffnete Militärs - Gbagbo soll nach dem Willen seines Nachfolgers nichts zustoßen. In einer Fernsehansprache wandte sich Ouattara am Abend an sein Volk: "Um einen Rechtstaat zu schaffen, werde ich den Justizminister bitten, Ermittlungen gegen Gbagbo, seine Frau und seine Mitarbeiter einzuleiten." Außerdem rief Ouattara seine Landsleute zur Besonnenheit auf und appellierte an Milizen, ihre Waffen niederzulegen. Nach dem Vorbild Südafrikas will Ouattara eine Wahrheits- und Versöhnungskommission einsetzen, die Menschenrechtsverletzungen und Massaker untersuchen soll.

Unten, vor dem Hotel, herrschte derweil Partystimmung. "Ich rufe gerade meine Familie an", sagt ein junger Soldat, immer noch mit einem Maschinengewehr in der Hand. Ein anderer, ein paar Meter weiter, ist nachdenklicher: "Tausende sind gestorben für einen einzelnen, für einen einzelnen Herrn! Als ich ihn vorbeigehen sah, hatte ich Tränen in den Augen."

Von Normalität ist das Land noch weit entfernt

Es ist für viele Ivorer das Ende eines Albtraums. Die französischen Streitkräfte haben Gbagbos Soldaten die vielleicht entscheidenden Schläge zugeführt - im Auftrag der Vereinten Nationen, wie man in Paris immer wieder betont. Allerdings seien es Kämpfer Ouattaras gewesen, die Gbagbo letztlich gefangen nahmen, so Thierry Burkhard, Sprecher der französischen Streitkräfte: "Anders als berichtet wird, haben sich die französischen Streitkräfte zu keinem Zeitpunkt im Garten oder im Gebäude der Residenz aufgehalten. Die Blauhelmsoldaten organisieren sich derzeit, um Abidjan und seine Vororte zu sichern. Das Ziel ist, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren."

Alassane Ouattara
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Alassane Ouattara, Präsident der Elfenbeinküste

Doch von Normalität ist die Elfenbeinküste immer noch weit entfernt. Bewaffnete Banden haben Geschäfte und Häuser in Abidjan ausgeplündert. In vielen Vierteln gibt es weder Strom noch Wasser, Tausende Menschen sind vor der Gewalt geflohen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte: "Dies ist das Ende eines Kapitels, das niemals hätte geschehen sollen. Ich werde mit Herrn Ouattara sprechen, wie die Vereinten Nationen mit seiner Regierung zusammenarbeiten können. Wir müssen helfen, damit Stabilität und Rechtsstaatlichkeit wieder hergestellt werden."

Das könnte allerdings dauern – denn nach vier Monaten Dauerkrise liegt die Elfenbeinküste am Boden. Präsident Ouattara muss sich auf viel Opposition einstellen. Die Schlacht um die Residenz hat er gewonnen, die um die Herzen noch lange nicht.

Karte: Elfenbeinküste
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Karte: Elfenbeinküste

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