EU prüft Ausweitung

NGOs wollen Elektrofischen verhindern

Stand: 09.01.2018 02:23 Uhr

Die einen loben es als besonders umweltverträglich - andere nennen das Elektrofischen brutal. Kommende Woche befasst sich das EU-Parlament mit der Frage, ob die Praxis ausgeweitet werden darf. 17 NGOs wollen das verhindern und warnen in einem Brandbrief vor den Folgen.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

In der durchaus komplizierten Fangnetz-Diskussion kann man sich als Laie nur allzu leicht verheddern: Preisen die einen doch elektrische Netze als das künftige Allheilmittel für Europas Fischer. Die anderen hingegen sprechen von katastrophalen Folgen für Menschen, Tiere und Meeresboden gleichermaßen. Jetzt, wo die Zeit der EU-Entscheidung naht, ob diese Methode in europäischen Gewässern bald zur Regel werden soll, erhöht sich auch die Nervosität.

"Elektrisches Fischen ist weithin als zerstörerisch bekannt und ist in den meisten Fischerei-Nationen auf der Welt verboten, auch in China", mahnt jetzt eine Gruppe vor allem französischer und britischer Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Fischereiverbände in einem eindringlichen Brief an den zuständigen EU-Kommissar Karmenu Vella. Und fordern diesen unmissverständlich dazu auf, die Brüsseler Vorschläge zur Elektrofischerei schnellstmöglich zurückzuziehen: "Wir rufen Sie dazu auf, Kommissar Vella, die Umwelt und die soziale Gerechtigkeit in dieser Angelegenheit zu bedenken."

"Besser als Bodenschleppnetze"

Bei der neuartigen Fangmethode ziehen Fischerboote Netze hinter sich her, die mit Elektroden gespickt sind. Tiere, die sich am Meeresboden verstecken, wie insbesondere Schollen oder Krabben, werden auf diese Weise aufgescheucht und in die Netze getrieben. Und so, freuen sich die Fischer, in viel größerer Zahl als zuvor aus dem Wasser gezogen.

Während Kritiker die Stromschlag-Praxis als brutal brandmarken, halten Befürworter diese für viel umweltverträglicher als den herkömmlichen Fischfang: Werde doch der Meeresgrund nicht so brachial aufgerissen und umgepflügt wie von den bekannten Bodenschleppnetzen. Und die Fischerboote würden zudem jede Menge Treibstoff sparen. Die Skeptiker überzeugt das nicht. "Die Befürworter des Elektrofischens kommen nur deshalb zu der Behauptung, diese Methode sei nachhaltig, weil sie einen Vergleich mit der verheerendsten Praxis überhaupt anstellen", heißt es in dem Brief der NGOs.

Seit 2006 zu Forschungszwecken erlaubt

Dessen Unterzeichner der EU-Kommission auch vorwerfen, Ratschläge ihrer eigenen Experten unterschlagen zu haben, als Brüssel und die Mitgliedsstaaten das Elektrofischen 2006 zu Forschungszwecken und in geringem Umfang erlaubten. Vor allem niederländische Fischer machen von dieser Ausnahmeregelung seitdem intensiv Gebrauch. Während Franzosen und Briten diese vehement ablehnen.

Mittlerweile ist daraus eine Debatte geworden, die insbesondere die Nordsee-Anrainer in der Europäischen Union geradezu elektrisiert. Kommende Woche befasst sich das EU-Parlament mit der Streitfrage. Anschließend entscheiden Kommission und EU-Einzelstaaten, ob sie eine Ausweitung der Elektrofischerei-Praxis zulassen oder nicht.